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Ausland

Die israelische Armee hat die Bewohner und Bewohnerinnen von sieben Dörfern im Süden des Libanon zur sofortigen Evakuierung aufgerufen. Wegen des „Bruchs der Waffenruhe-Vereinbarung durch die Terrororganisation Hisbollah“ werde die israelische Armee „entschiedene Maßnahmen“ gegen die pro-iranische Schiitenmiliz ergreifen, teilte Armeesprecher Avichay Adraee heute mit.

Die Hisbollah-Miliz erklärte derweil, sie habe die nordisraelische Stadt Kirjat Schmona mit einer „Raketensalve“ angegriffen. Dies sei zur „Verteidigung des Libanon und seines Volkes und in Reaktion auf die Verletzung der Waffenruhe durch den israelischen Feind“ erfolgt.

Libanon sieht schweren Bruch von Völkerrecht

Gestern Abend hatte das libanesische Gesundheitsministerium erklärt, bei erneuten israelischen Angriffen in verschiedenen Orten in der Region der südlibanesischen Stadt Tyros seien mindestens elf Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Das Ministerium sprach von einer „schweren Verletzung des Völkerrechts“.

Im Libanon gilt derzeit eigentlich eine Waffenruhe, die von der Hisbollah-Miliz allerdings abgelehnt wird. Die Hisbollah und Israel greifen sich inzwischen wieder täglich an.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu verkündete zuletzt, dass die israelische Armee im Zuge ihres ausgeweiteten Einsatzes im benachbarten Libanon den Fluss Litani überquert habe, der etwa dreißig Kilometer nördlich der Grenze verläuft. Die israelische Luftwaffe sei zudem in der libanesischen Hauptstadt Beirut, in der östlichen Bekaa-Region sowie „entlang der gesamten Front“ im Einsatz.

Die US-Armee hat bei einem erneuten Angriff auf ein angeblich in den Drogenschmuggel verwickeltes Boot im Pazifik drei Menschen getötet. Das Südkommando der US-Streitkräfte (SOUTHCOM) erklärte gestern (Ortszeit), das Schiff sei auf „bekannten Drogenschmuggelrouten im östlichen Pazifik“ unterwegs und an „Drogenschmuggeloperationen beteiligt“ gewesen. Auf Videoaufnahmen ist ein Schiff auf offener See zu sehen, auf dem sich eine Explosion ereignet.

Es war bereits der dritte derartige Angriff in dieser Woche. Die Zahl der Toten seit Beginn der US-Angriffe auf angebliche Drogenschmuggelboote im September vergangenen Jahres stieg damit laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf mindestens 198.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump rechtfertigt ihr Vorgehen damit, dass sie sich im Krieg befinde mit „Narko-Terroristen“ aus Lateinamerika. Washington hat jedoch nie eindeutige Beweise vorgelegt, dass es sich bei den Getöteten tatsächlich um Drogenschmuggler handelte.

Einige von ihnen waren nach Angaben von Behörden und Angehörigen Fischer. Einige Experten und UNO-Vertreter stufen die Angriffe als völkerrechtswidrige außergerichtliche Hinrichtungen ein.

Im kleinsten EU-Land Malta wird heute ein neues Parlament gewählt. Mehr als 341.000 Einwohner und Einwohnerinnen sind wahlberechtigt Die Wahllokale sind seit 7.00 Uhr geöffnet und schließen um 22.00 Uhr.

Wahlplakate auf Malta
Reuters/Darrin Zammit Lupi

Umfragen sehen die sozialdemokratische Regierungspartei Labour (MLP) von Premierminister Robert Abela (48) vor der konservativen Nationalist Party (PN) von Alex Borg (30). Eine Wiederwahl Abelas wird entsprechend erwartet. Mit der Auszählung wird morgen Früh begonnen. Je nach Trend dürfte zwischen Vormittag und frühem Nachmittag eine Seite ihren Sieg erklären. Mit dem offiziellen Ergebnis wird jedoch erst später im Laufe des Tages gerechnet.

Ende April hatte Abela in einer abendlichen Fernsehansprache die eigentlich für Anfang kommenden Jahres vorgesehene Parlamentswahl auf den 30. Mai vorgezogen. Der maltesische Regierungschef hatte globale geopolitische Sorgen infolge des Iran-Kriegs als Begründung für die vorgezogene Wahl genannt, und erklärt, seine Regierung brauche ein neues Mandat, um Malta und die Bürger des Landes durch eine drohende Energiekrise zu führen.

US-Präsident Donald Trump hat bei seinem Bestreben, wichtige US-Institutionen umzubenennen und mit seinem Namen zu versehen, eine herbe Niederlage vor Gericht kassiert. Ein Richter in der US-Hauptstadt Washington ordnete gestern an, dass Trumps Name wieder von der Fassade der weltberühmten Kulturinstitution Kennedy Center verschwinden muss.

Name von Trump an der Wand vom Kennedy Center
Reuters/Ken Cedeno

Zudem darf das Zentrum zumindest vorläufig doch nicht wie von Trump geplant im Sommer für zwei Jahre wegen Renovierungsarbeiten geschlossen werden, wie aus den Gerichtsakten hervorgeht.

Gericht: Nur Kongress kann Namen ändern

Trump hatte das Kennedy Center kurz nach seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr unter seine Kontrolle gebracht und einen Kampf gegen „anti-amerikanische Propaganda“ in der Kulturwelt angekündigt.

Er entließ mehrere Mitglieder des Kuratoriums, übernahm den Vorsitz und beauftragte seinen Vertrauten Richard Grenell, die Institution neu auszurichten. Im Dezember wurde das Kennedy Center in Trump Kennedy Center umbenannt. Das führte zu großem Protest, Künstler und Künstlerinnen sagten Auftritte ab.

Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass der Kongress einst dem Kennedy Center seinen Namen gegeben habe. Folglich dürfe auch nur der Kongress diesen ändern.

US-Präsident Donald Trump ist nach Angaben seines Arztes bei „exzellenter Gesundheit“ – sollte aber abnehmen. Der Präsident sei „vollumfänglich fähig, alle Pflichten als Oberbefehlshaber der Armee und als Staatschef wahrzunehmen“, erklärte am Samstag Sean Barbabella nach einem Anfang der Woche erfolgten großen Gesundheitstest. Trump habe unter anderem gute Herz- und Lungenwerte und allgemein eine gute Physis.

Ihm sei aber präventiv zu „zu gesteigerter körperlicher Aktivität sowie zur Gewichtsabnahme“ geraten worden.

Bei der Vorsorgeberatung habe Trump auch „Hinweise zur Ernährung und eine Empfehlung zur Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin“ bekommen, erklärte der Arzt mit Blick auf das blutverdünnende Medikament weiter. Laut dem vorgelegten Bericht wiegt der 1,9 Meter große Präsident derzeit 108 Kilogramm. Beim vorigen Gesundheitscheck vor gut einem Jahr waren es 101,6 Kilogramm gewesen.

Demnächst 80 Jahre

Trump hatte direkt nach seinem Gesundheitscheck am Dienstag verkündet, dass alles „perfekt gelaufen“ sei. Er wird am 14. Juni 80 Jahre alt und ist der älteste Präsident, der jemals in den USA vereidigt wurde. Zuletzt hatten Blutergüsse an Trumps rechter Hand, Schwellungen an seinen Knöcheln und Anfälle von Schläfrigkeit bei offiziellen Terminen Fragen über seine Fitness aufgeworfen.

Auch beim Gesundheitscheck seien ein Bluterguss und Irritationen am Handrücken festgestellt worden, hieß es in dem Arztbericht. Ursache dafür sei offensichtlich „häufiges Händeschütteln bei gleichzeitiger Einnahme von Aspirin zur kardiovaskulären Prävention“.

Krieg in Nahost

US-Präsident Donald Trump hat gestern eine „endgültige Entscheidung“ zu den Verhandlungen mit dem Iran angekündigt. Doch nach einem zweistündigen Treffen im Lagezentrum (Situation Room) im Weißen Haus verschob Trump laut „New York Times“ eine Entscheidung erneut, obwohl er eine solche vor dem Treffen in den sozialen Netzwerken angekündigt hatte.

Seit Tagen wird zu einem allgemeinen Rahmenabkommen, das die entscheidenden Details so weit bisher durchgedrungen ist, offen lässt, zwischen den USA und Iran intensiv verhandelt. US-Berichten zufolge soll eine Einigung kurz bevorstehen.

Iran: Trump-Sager „Mischung aus Wahrheit und Lüge“

Der Iran hatte zuvor die Äußerungen von Trump über ein mögliches Abkommen zwischen beiden Ländern als „Mischung aus Wahrheit und Lüge“ bezeichnet.

Die halbamtliche Agentur Fars meldete unter Berufung auf der Revolutionsgarde nahestehende Vertreter, Trump versuche, einen „fabrizierten Sieg“ darzustellen. Eine Vereinbarung befinde sich noch in der finalen Ratifizierungsphase im Iran, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen.

Trumps Behauptung, der Iran sei zur gebührenfreien Öffnung der Straße von Hormus verpflichtet, sei falsch, eine solche Klausel existiere nicht. Auch die Zerstörung iranischer Nuklearmaterialien sei nicht Teil der Vereinbarung. Das Memorandum sehe hingegen die sofortige Zahlung von zwölf Milliarden Dollar (10,3 Mrd. Euro) aus eingefrorenen iranischen Vermögenswerten sowie einen vollständigen Waffenstillstand im Libanon vor.

Inland

Die Grünen halten heute in Graz ihren Bundeskongress ab. Spitzenpositionen werden diesmal nicht neu besetzt, stattdessen wollen die Grünen das Treffen ihres obersten Parteiorgans dem Zuhören widmen. Neben Wortmeldungen von Bundessprecherin Leonore Gewessler und der Graz-Wahl-Spitzenkandidatin Judith Schwentner gibt es daher auch eine offene Bühne für drei Bürgerinnen und Bürger, die sich um einen Redebeitrag bewerben hatten können.

Das Motto der Versammlung von rund 260 Delegierten lautet diesmal „Fairer statt schwerer“. Neben der Umwelt dürften daher Themen wie eine Reichensteuer, Teuerungsbekämpfung oder eine Öffi-Preisbremse im Mittelpunkt stehen, glaubt man Ansagen Gewesslers im Vorfeld. Dabei hatte sie die Grünen als Alternative nicht nur zu den „blauen Zerstörern“ der FPÖ dargestellt, sondern auch zum „Verwalten des Niedergangs“ durch die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS.

Seit mittlerweile über einer Woche wird auf das Budgetbegleitgesetz gewartet, mit dem ein guter Teil der Budgeteinsparungen auf den Weg gebracht werden soll. Doch bisher ist von der Regierung der entsprechende Begutachtungsentwurf nicht eingebracht worden. Das hat wohl zur Folge, dass auch die Begutachtung ausnehmend kurz wird.

Woran es bisher scheitert, obwohl ohnehin alle Budgetstücke mittlerweile verteilt sind, will niemand laut sagen. Dem Vernehmen nach dürfte eines der größten Probleme sein, dass NEOS das Budgetbegleitgesetz mit der von NEOS forcierten neuen Weisungsspitze in der Justiz junktimieren will, was vor allem der ÖVP mäßig gefällt. Auch die mögliche Verlängerung der Spritpreisbremse wird plötzlich wieder in dem Zusammenhang debattiert.

Ventiliert wurde während der vergangenen Tage weiters, dass es mit der SPÖ noch Diskussionen wegen des Verteidigungsbudgets gibt. Hier gilt es, eine für alle Seiten tragbare Lösung bei der Eurofighter-Nachfolge zu schaffen. Auch bei der einen oder anderen zusätzlichen Maßnahme war noch nicht fix, ob sie es ins Budgetbegleitgesetz hinein schafft.

Bereits bekannte Maßnahmen

Dabei ist schon einiges bekannt. Dazu zählen steuerliche Maßnahmen wie die progressive Erhöhung der Körperschaftssteuer (KöSt) für Unternehmen mit einem Gewinn von über einer Million Euro ab 2028, die Verlängerung der Stabilitätsabgabe für Banken, Einschränkungen beim Gewinnfreibetrag, Einsparungen beim Familienbonus, eine Erhöhung der Immobilienertragsteuer, die Streichung der Homeoffice- und der Arbeitsplatz-Pauschale, eine Erhöhung der Alkoholsteuer, die Streichung von Steuerbegünstigungen für die Privatnutzung von E-Firmenautos und ein neuerliches Steuerbetrugspaket. Dazu kommt noch die Verpflichtung für ukrainische Vertriebene, Normverbrauchsabgabe und Versicherungssteuer zu leisten.

Außerdem enthalten dürfte das Budgetbegleitgesetz unter anderem etwa die neuerliche Nichtvalorisierung der Familienleistungen, Kürzungen bei AMS-Wiedereingliederungshilfen für Langzeitarbeitslose und bei Kuren, die Anhebung der Höchstbeitragsgrundlage für die Sozialversicherung und die Anrechnung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe. Bereits eingeleitet werden könnte auf der anderen Seite die Senkung der Lohnnebenkosten.

Die Spritpreisbremse läuft morgen aus. Die Regierungsparteien verhandeln noch, ob und, wenn ja, in welcher Form die Senkung der Preise für Benzin und Diesel fortgesetzt werden soll.

An sich unstrittig ist das Ziel, zusätzliche Steuereinnahmen durch die hohen Preise an Verbraucher zurückzugeben. ÖVP und NEOS wollen aber keine Eingriffe mehr in die Gewinnmargen der Ölkonzerne, die SPÖ schon. Laut Gesetz sind die beiden Maßnahmen aber verknüpft.

Zuletzt betrug die Entlastung unter fünf Cent je Liter, nämlich 2,5 Cent für die Margenbegrenzung und zwei Cent für die Senkung der Mineralölsteuer (MöSt).

Die Spritpreise sind zwar mit 1,86 Euro je Liter für Diesel und 1,78 Euro für Benzin noch empfindlich höher als vor Beginn des Iran-Krieges, zugleich aber deutlich niedriger als am Höhepunkt der Preissteigerungen, als die Spritpreisbremse beschlossen wurde.

Chronik

Am Flughafen München hat nach einer mutmaßlichen Drohnensichtung heute Früh der Flugverkehr für etwa eine Stunde stillgestanden. Starts und Landungen seien kurz nach 9.00 Uhr ausgesetzt worden, der Alarm sei aber gegen 10.05 Uhr wieder aufgehoben worden, sagte ein Flughafensprecher.

Zwei Piloten hätten nach Angaben der deutschen Polizei eine verdächtige Wahrnehmung gemacht. Daraufhin sei die Lage überprüft worden. Unter anderem war ein Polizeihubschrauber im Einsatz.

Nachdem nichts gefunden wurde, sei die Sperrung aufgehoben worden, sagte der Flughafensprecher. Der Flugverkehr lief wieder an.

Auf der dänischen Insel Anholt ist der Kadaver eines Buckelwals an Land gebracht worden. Im Livestream des Anbieters News5 war in der Früh zu sehen, wie ein Fahrzeug das Tier mit einem Seil aus dem flachen Wasser langsam auf den Strand zog. Im Sand hinterließ der aufgeblähte Kadaver eine riesige Furche. Die dänische Umweltbehörde rief Einheimische und Badegäste dazu auf, sich dem Wal nicht zu nähern.

Der Kadaver lag seit mehr als zwei Wochen vor der Urlaubsinsel im flachen Wasser. Einmal hatten die Dänen versucht, den von Fäulnisgasen aufgeblähten Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn dann in einen Hafen zu bringen. Der Versuch scheiterte, nun soll das Tier direkt am Strand untersucht werden.

Die Untersuchung des Kadavers ist für Donnerstag geplant. „Die Obduktion wird am Nachmittag beginnen und etwa sechs Stunden dauern“, so Morten Abildstrom vom dänischen Amt für Naturverwaltung laut dpa.

Todesursache soll geklärt werden

Es gehe vor allem darum, herauszufinden, woran es starb, sagte der Walforscher Peter Teglberg Madsen, der in Dänemark seit 25 Jahren Walobduktionen begleitet – „denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht“.

Der Forscher nimmt derzeit an, dass das Tier von vornherein keine Chance hatte. „Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkräftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hätte es einfach in Frieden lassen sollen.“

Der Wal hatte an der deutschen Ostseeküste immer wieder Flachwasserbereiche aufgesucht – weitergezogen war er mehrfach erst, nachdem sich Menschen genähert hatten. Schließlich lag er vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern. Gegen die Empfehlung deutscher Fachleute und Institutionen hatte das Landesumweltministerium geduldet, dass eine private Initiative das Tier abtransportiert und in der Nordsee freisetzt.

Science

Der französische Soziologe und Philosoph Edgar Morin ist tot. Der weltweit bekannte Intellektuelle starb gestern im Alter von 104 Jahren, wie seine Ehefrau Sabah Abouessalam Morin laut AFP heute mitteilte.

Der französische Soziologe und Philosoph Edgar Morin 2022
APA/AFP/Joel Saget

„Bis zu seinen letzten Tagen blieb Edgar Morin aufmerksam gegenüber der Welt, seinen Mitmenschen und den großen menschlichen Fragen, die sein Denken nährten“, erklärte seine Ehefrau. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte Morin als Widerstandskämpfer gegen Nazi-Deutschland, Schriftsteller und „Denker des Jahrhunderts“. Er sei „die Verkörperung des Humanismus“ gewesen, schrieb Macron auf X.

Bekannt wurde Morin vor allem mit seinem Konzept des „komplexen Denkens“. Er wollte nach eigener Darstellung das verbinden, „was in unserer gewöhnlichen Wahrnehmung nicht verbunden ist“, und so der „Komplexität des Wirklichen“ gerecht werden. Der politisch links geprägte Autor verstand sich selbst als „Wilderer des Wissens“ und wandte sich gegen eine harte Abgrenzung der wissenschaftlichen Disziplinen.

1921 in Thessaloniki geboren

Morin wurde am 8. Juli 1921 als Edgar Nahoum in Paris in eine jüdische Familie aus der griechischen Hafenstadt Thessaloniki geboren. 1941 trat er der Kommunistischen Partei bei und schloss sich unter dem Decknamen Morin der Resistance gegen die deutsche Besatzung an. Sein erstes Buch erschien 1946 unter dem Titel „L’An zero de l’Allemagne“, auf Deutsch wurde es als „Das Jahr Null. Ein Franzose sieht Deutschland“ veröffentlicht.

1959 erregte Morin mit „Autocritique“ Aufmerksamkeit, in dem er seine Blindheit gegenüber dem Stalinismus und seinen Ausschluss aus der Kommunistischen Partei reflektierte. Später wurde er zu einem Wegbereiter einer „Soziologie der Gegenwart“ und befasste sich unter anderem mit Kino, Technik, Sport, Jugend und ökologischen Fragen.

Zu seinen wichtigsten Werken zählt die sechsbändige Reihe „La methode“ (1977-2004). Morin schrieb rund 40 Bücher, die vielfach übersetzt wurden, und erhielt Ehrendoktorwürden von 38 ausländischen Universitäten. Bis ins hohe Alter blieb Morin eine Stimme im intellektuellen Streit um die Gegenwart: Globalisierung, ökologische Krise, Konflikte und Kriege.

Wirtschaft

Das Ringen um einen neuen Kollektivvertrag für die zwischen 200.000 und 240.000 Beschäftigten in Gastronomie und Hotellerie ist vorerst gescheitert. Wie die Wirtschaftskammer (WKO) gestern Nachmittag mitteilte, wurden die Verhandlungen mit der Gewerkschaft vida ohne Einigung beendet.

Die Arbeitnehmervertreter hätten das jüngste und nochmals nachgebesserte Angebot der Arbeitgeberseite abgelehnt. Die Gewerkschaft betonte, man lasse sich kein Ultimatum stellen und warf der WKO vor, die Verhandlungen wegen vier Euro für die unterste Lohngruppe platzen haben zu lassen.

WKO gibt Gewerkschaft Schuld

Die WKO warf wiederum der Gewerkschaft in einer Aussendung vor, starr an unrealisierbaren Forderungen festzuhalten. Die Arbeitgeber hätten sich in den vergangenen Wochen schrittweise bewegt und auch Anliegen der vida in ihren Angeboten berücksichtigt. Da nun aber auch das letzte Kompromissangebot abgelehnt worden sei, habe man die Gespräche beendet.

0,6 Prozentpunkte auseinander

Zuletzt hatten die Arbeitgebervertreter bei den teils hitzig geführten Verhandlungen eine Lohn- und Gehaltserhöhung von drei Prozent geboten. Die Gewerkschaft forderte hingegen ein Plus von mindestens 3,6 Prozent zur Abgeltung der Inflation sowie zwölf garantierte freie Sonntage im Jahr und eine bezahlte Mittagspause. Derzeit liegt der KV-Mindestlohn für Hilfskräfte in der Branche in allen Bundesländern bei 2.026 Euro brutto.

Der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank und die Internationale Energieagentur (IEA) haben vor einem Treibstoffmangel im Sommer gewarnt. Derzeit würden die „weltweiten Ölvorräte in beispiellosem Tempo abgebaut, um den massiven Ausfall von Lieferungen durch die Straße von Hormus auszugleichen“, erklärten die Organisationen gestern in Washington.

Wenn sich die Öltransporte nicht schnell normalisierten, drohten Risiken für die Treibstoffsicherheit und die gesamte Wirtschaft.

Straße von Hormus als entscheidender Faktor

Die USA verhandeln derzeit mit dem Iran über ein vorläufiges Abkommen, das nach US-Angaben eine Öffnung der Straße von Hormus ohne Gebühren für die Schifffahrt vorsieht. Die iranische Nachrichtenagentur Fars bestritt dagegen, dass es eine solche Klausel gebe.

Durch die Meerenge wird normalerweise ein großer Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels abgewickelt. Der Iran blockiert die Wasserstraße seit Kriegsbeginn Ende Februar weitgehend. Seit Ende April erhebt Teheran nach eigenen Angaben eine Gebühr, wenn Tanker die Straße von Hormus sicher durchfahren wollen.

Kultur

Regisseur Wim Wenders (80) würde eine umstrittene Nacktszene aus seinem preisgekrönten Film „Falsche Bewegung“ aus dem Jahr 1975 heute so nicht mehr drehen. Die Schauspielerin Nastassja Kinski ist in dem Film als 13-Jährige mit nacktem Oberkörper zu sehen. „Das würde ich heute nie mehr so machen“, sagte Wenders gestern Abend in Berlin, wo er beim Deutschen Filmpreis mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet wurde.

Der „Süddeutschen Zeitung“ hatte Kinski kürzlich gesagt: „Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war.“ Dem Bericht zufolge versucht sie seit Jahren, die Szene aus dem Film entfernen zu lassen.

„Andere Welt“

Es sei ein schwieriges Kapitel in seinem Leben, sagte Wenders auf der Bühne. „Ich weiß heute mehr, viel mehr. Es gibt andere Sensibilitäten, wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 50 Jahren.“ Seinem damaligen jungen Ich könne er keinen Vorwurf machen. Er habe einen Film in seiner Zeit gemacht.

„Kann man Film im Nachhinein kürzen?“

Doch es ergebe sich eine Frage, die „euch alle“ angehe, sagte Wenders an die Filmschaffenden im Publikum gerichtet: „Wie geht man mit Filmerbe um?“ Dürfe und solle man eine Szene schneiden, wenn sie einer Schauspielerin, „die ich sehr verehrt habe und verehre“, wehtue? „Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?“ Er sei mit dieser Frage ziemlich allein. „Und ich bin auch ratlos“, fügte der Regisseur hinzu. Es sei eine moralische Frage.

Wenders bat die Deutsche Filmakademie um eine Diskussion zu diesem Thema, besonders mit jüngeren Leuten. Angenommen, er kürze den Film, dann sei das ein Präzedenzfall, der „euch alle“ betreffe. „Dann ist es bei allen anderen Filmen später möglich. Ich möchte es diskutieren und ich möchte da nicht alleine bleiben“, betonte Wenders.

Wenders („Perfect Days“, „Paris, Texas“) war bei der Gala in Berlin unter Standing Ovations mit dem Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie geehrt worden.