Der Kaman H-2 Seasprite ist ein militärischer Mehrzweckhubschrauber des US-amerikanischen Hubschrauberherstellers Kaman. Das Baumuster absolvierte am 2. Juli1959 seinen Erstflug als HU2K-1 und wurde bis zur Außerdienststellung des letzten Typs SH-2G im Jahr 2001 in unterschiedlichen Versionen verwendet.
1956 schrieb die US Navy einen allwettertauglichen Mehrzweckhubschrauber aus. Er sollte zur Seenotrettung auf Flugzeugträgern, zur Artilleriebeobachtung, Aufklärung, für Kurierflüge und zum Verwundetentransport dienen. Noch im selben Jahr gewann die Kaman Aircraft Corporation die Ausschreibung mit ihrem Typ K 20 und erhielt am 29. November 1957 den Auftrag für vier Prototypen und die ersten zwölf Serienmaschinen. Ursprünglich wurde der Hubschrauber als HU2K-1 bezeichnet. Nach der Vereinheitlichung der Bezeichnungssysteme der US-Teilstreitkräfte 1962 wurde daraus die UH-2A Seasprite. Ab Dezember 1962 wurden 190 UH-2 ausgeliefert, 88 UH-2A und 102 UH-2B. Die UH-2B konnten (im Gegensatz zur UH-2A) nicht im Schwebeflug aufgetankt werden, wurden aber später auf den Standard der UH-2A aufgerüstet. Die UH-2A/B wird von nur einem Triebwerk des Typs General Electric T58 angetrieben und hat einen dreiflügeligen Heckrotor.
YUH-2A-Prototyp 1963
1965 wurde eine UH-2A mit zwei T-58-GE-8B-Triebwerken ausgerüstet, die nun in zwei Gondeln unterhalb des Rotors untergebracht waren. 40 UH-2A/B wurden daraufhin in UH-2C umgebaut.
Für die Bergung abgeschossener Besatzungen aus Vietnam wurden sechs UH-2A in HH-2C umgerüstet. Diese entsprachen der UH-2C, waren jedoch zusätzlich gepanzert, erhielten einen vierflügeligen Heckrotor, zusätzliche Treibstofftanks, eine Minigun mit Kaliber 7,62mm in einem Kanonenturm unter dem Cockpit und zwei weitere handbediente an den Seitenfenstern. Ferner erhielten sie 1.350 WPS leistende T58-GE-8F-Triebwerke und ein doppelt bereiftes Hauptfahrwerk. Die Hubschrauber wurden von der Staffel HC-7 Seadevils in Vietnam eingesetzt.
67 weitere Umbauten aus UH-2A/B entsprachen der HH-2C, da sie jedoch unbewaffnet waren, erhielten sie die Bezeichnung HH-2D.
Im Oktober 1970 entschied sich die U.S. Navy für die H-2 als U-Jagd-Hubschrauber auf Fregatten (bis 1976 „Geleitzerstörer“), vor allem der Garcia-Klasse und der Knox-Klasse sowie den Zerstörern der Spruance-Klasse und den Kreuzern der Belknap-Klasse. 1960 bis 1970 waren mit wenig Erfolg sogenannte DASH-Drohnen eingesetzt worden. Als Ersatz diente das Light Airborne Multi-Purpose System (LAMPS) (leichtes luftgestütztes Mehrzweck-System), mit dem U-Boote jenseits des Horizonts bekämpft werden sollten. 20 SH-2D LAMPS I wurden mit einem Radom unter dem Cockpit ausgerüstet und erhielten Sonarbojen in einem Dispenser an der linken Seite sowie einen Detektor für magnetische Anomalien (MAD) an der rechten Seite des Rumpfes. Ferner konnten zwei Mk.46-U-Jagd-Torpedos mitgeführt werden. Am 7.Dezember 1971 begann die erste Einsatzfahrt der Staffel HC-4 an Bord des Lenkwaffenkreuzers Belknap.
1971/72 wurden zwei Hubschrauber zu YSH-2E mit einem großen Radom vor dem Cockpit umgebaut.
Auf die SH-2D folgte aber eigentlich die SH-2F. Sie glichen der SH-2D, jedoch wurden sie mit stärkeren Triebwerken, neuem Rotor und einer verbesserten Avionik ausgerüstet. Die SH-2F ist vor allem daran von der SH-2D zu unterscheiden, dass das Spornrad weiter vorne angebracht ist. 16 SH-2D und 94 Hubschrauber der früheren Versionen wurden umgerüstet, 54 wurden neu gebaut. Die SH-2F waren bis 1993 bei der U.S. Navy im Einsatz und wurden durch die Sikorsky SH-60B Seahawk ersetzt.
Die Staffeln HSL-84 und -94 der U.S. Naval Reserve erhielten 1993 16 SH-2G Super Seasprite. Diese unterscheiden sich vor allem durch die General Electric T700-GE-401/401C-Triebwerke und eine neuere Avionik.[1]
1960 wählte die kanadische Marine den HU2K-1 den Hauptkandidaten für sein Auswahlverfahren für Schiffgestützte Hubschrauber aus. Als erste Bestellung waren 12 Maschinen vorgesehen. Da die Leistungen der HU2K-1 bei Flugversuchen der US Navy aber nicht den Vorstellungen der Kanadier entsprachen und Kaman zur gleichen Zeit auch noch den Kaufpreis für die HU2K-1 drastisch erhöhte, fiel die Wahl letzten Endes auf die Sikorsky Sea King.
Ägypten orderte zwei Fregatten der Knox-Klasse und drei der Oliver-Hazard-Perry-Klasse. Mit diesen kamen zehn SH-2F, die auf den SH-2G(E)-Stand gebracht wurden. Eine Besonderheit ist, dass sie ohne Sonarbojenwerfer, dafür mit AN/AQS-18A-Tauchsonar ausgerüstet wurden. Diese wurden ab 1997 bis 1998 ausgeliefert. 2005 wurde Kaman beauftragt, zwei von diesen zu modernisieren. Dies geschah 2009.
Eine SH-2G(A) der australischen Marine (2005)AustralienAustralien
1997 bestellte Australien und Neuseeland für ihre Fregatten der ANZAC-Klasse SH-2G(A). Die für Australien bestimmten SH-2Gs waren ursprünglich USN SH-2F, die ab 2001 ausgeliefert werden sollten. Ursprünglich plante man mit 14 Hubschraubern, dies wurde später, durch Kostengründen, auf 11 reduziert. Ein großes Problem für Kaman war, dass man in Australien spezielle Anforderungen an diese stellte. So sollten diese nur mit einer 2 Mann Crew, statt 3, betrieben werden. Dazu sollte ein Electronic Flight Instrument System mit einem Integrated Tactical Avionics System, welches mit einem digitalen Autopiloten kombiniert und anderer Sensorik entwickelt und eingebaut werden. Dazu sollte als Bewaffnung die AGM-119 sowie Mk46 und MU-90 Torpedos verwendet werden. Als Bord-MG war das FN-MAG vorgesehen. In 2001 lieferte Kaman die erste Maschine. Diese wurde abgelehnt, da diese nicht den Vorgaben der Australier entsprach. Hauptgrund war die fehlende Möglichkeit zum Freihandflug. Ab dann stand das Projekt unter keinem guten Stern, da es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den beiden Parteien kam. Im Oktober 2003, wurden die ersten Maschinen vorläufig und unter Vorbehalt, als Trainer, in Dienst gestellt. Dies geschah bei der No. 805 Squadron der australischen Marine. Dort wurden diese weiter erprobt und weitere Entwicklungen fanden statt. Bis zum Mai 2006, dann wurde ein Flugverbot erteilt, da immer wieder gravierende Probleme bei der Flugstabilität und der Software auftraten und Kaman diese Probleme scheinbar nicht in denn Griff bekam. Ein Jahr später wurde entschieden, das Entwicklungsprogramm fortzusetzen. Doch Anfang März 2008, nach den Parlamentswahlen in Australien. Entschied die neue Regierung, auf Grund der ausufernden und bereits investierten Kosten von 986 Millionen A$, dieses Programm komplett einzustellen. Eine Fortführung hätte voraussichtlich weitere 1,3 Milliarden A$ gekostet. Alle elf Maschinen wurden später von Kaman zurückgekauft.[2]
Zwei SH-2G(I) Super Seasprite der neuseländischen MarineNeuseelandNeuseeland
Neuseeland orderte ebenfalls 1997 vier neue (gebaut) SH-2G(NZ), mit der Option für fünf, die später gewählt wurde. Der Vertrag sah ebenfalls vor, dass Kaman vier aufgearbeitete SH-2F als Interimslösung und Ersatz für die Westland Scout liefert. Durch fehlendes Geld und Personal wurden nur drei SH-2F flugtauglich gemacht. Die vierte Maschine diente nur als Ersatzteilspender. Diese wurden bis 2001 eingesetzt und als Ersatzteilspender genutzt. Ab dann übernahm die SH-2G(NZ), die bis Ende 2001 geliefert wurden. Die SH-2G(NZ) kann AGM-65-Maverick-Flugkörper und Mk46-Torpedos abfeuern, von diesen kann sie jeweils zwei Stück tragen. Als Bord-MG wurde ursprünglich das M60 genutzt, aber später durch das FN MAG ersetzt. Sie werden von der No. 6 Squadron der RNZAF auf den beiden Fregatten der ANZAC-Klasse eingesetzt. 2009 kaufte Neuseeland sechs weitere gebrauchte SH-2G der US Navy, ließ sie überarbeiten und stellte sie fürs Training in Dienst. 2012 traf man die Entscheidung, dass die SH-2G(NZ) ein Upgrade bräuchte, um die Fähigkeiten und die Korrosionsbeständigkeit zu verbessern. Durch die guten Erfahrungen, die man mit der Seasprite machte, entschied man sich, zehn weitere Maschinen zu erwerben. Kaman konnte 10 der 11 von Australien nicht abgenommenen Exemplare an Neuseeland verkaufen. Bei diesen wurden allerdings die australische Sonderausstattung entfernt und modernisiert. Diese dann als SH-2G(I) „International“ bezeichnet. Die Auslieferung von nur 8 flugfähigen Exemplaren erfolgte 2014/2015. Gleichzeitig markierte dies das Ende für die fünf neu gebauten SH-2G(NZ). Diese Maschinen wurden später an Peru verkauft.
Peru kaufte 2014 für seine Marine die fünf SH-2G(NZ) der neuseeländischen Marine, die vor ihrer Inbetriebnahme, 2021, durch General Dynamics Canada und Kaman zu SH-2G(P), eigentlich SH-2G(I), modernisiert wurden. Sie werden seit dem an Bord der Fregatten vom Typ Lupo-Klasse verwendet.
2002 im Rahmen der NATO Mitgliedschaft und Verpflichtungen einigte sich Polen und die USA zum Kauf von zwei Fregatten der Oliver-Hazard-Perry-Klasse (ORP Gen. K. Pułaski (272), ORP Gen. T. Kościuszko (273)) der US Navy. Polen hatte zu diesem Zeitpunkt schon den SAR-Hubschrauber PZL-W-3RM. Es fehlte aber an Einsatzerfahrung im Atlantik mit diesen. So empfahl die US Navy den Kauf von vier zusätzlichen SH-2G im Paket mit den beiden Fregatten.[3] Sie können nun MU90-Torpedo nutzen, hatten jetzt eine 15-fach-Werfer für AN/SSQ-53-Sonarbojen und haben als Bord-MG das PKM. Mitte 2018 kamen Berichte auf wonach die polnische Marine darüber nachdenkt die SH-2G außer Dienst zu stellen, da Kaman keine Unterstützung zur Wartung der Maschinen mehr leisten wolle bzw. beendet habe. Es war geplant, diese mit 8 AW-159 oder W-3 Sokol zu ersetzen. Im November 2025 geschah dies dann tatsächlich.[4][5] Die letzten Flüge aller Seasprites fanden am 6. bis 7. November statt. Bevor sie endgültig ausgemustert wurden. Seitdem finden Verhandlungen über die weitere Nutzung bzw. Verbleib der Maschinen statt. Seitdem verfügt die polnische Marine über keine Bordhubschrauber mehr. Die ursprünglich angedachte AW101 Merlin, ist zu groß. Das Projekt Kondor, welches für die Beschaffung neuer Marinehubschrauber iniziert wurde. Ist bis jetzt (2026) nicht erfolgreich.[6]
UH-2A de US Navy an Bord der USS Guadalcanal (1970)UH-2A (HU2K-1)
Mehrzweckhubschrauber mit einem 1.250 WPS (932 kW) leistenden General Electric T58-GE-8B-Triebwerk. 88 wurden gebaut, alle sind IFR fähig.
UH-2B
(HU2K-1U): UH-2A ohne Möglichkeit der Betankung im Schwebeflug (wurde später nachgerüstet). 102 wurden gebaut, waren nur VFR-fähig, ansonsten gleich mit UH-2A. Die IFR-Fähigkeit wurde später noch nachgerüstet. Diese Versionen wurden gerne als UH-2A/B bezeichnet.
UH-2C
Umgebaute UH-2A und B mit jetzt zwei statt nur einem Triebwerk.
Seacat
Die CSAR Version der UH-2C mit zwei General Electric T58-GE-16B-Triebwerken (1870 WPS) ausgerüstet wurden. Bewaffnet mit einer Emerson TAT-102K Minigun. Die angedachte US Air Force Version „Firecat“ blieb in der Designphase.
NUH-2B
Prototyp auf Basis einer UH-2A für High Speed Tests, hatte die Flügel einer Beechcraft Queen Air und ein zusätzliches GE-YJ58-Triebwerk. Wurde im Rahmen der Compound Helicopter Tests entwickelt. An denen sich alles großen amerikanischen Hersteller beteiligten.
NUH-2C
Umbau einer UH-2C zu Testzwecken, die Luft-Luft-Flugkörper AIM-9 Sidewinder- und AIM-7 Sparrow abfeuern konnte. Später als NUH-2D bezeichnet.
H-2 „Tomahawk“
Umbau (1963) einer UH-2A zu einem Kampfhubschrauber mit Stummelflügel und 4× M60 in der Nase. Dieser nahm in einem schon vorentschiedenen Wettbewerb der US Army teil. Der spätere Sieger UH-1 Huey Cobra und eine modifizierten Sikorsky S-61 nahm ebenfalls teil. Wurde später zu einer UH-2C umgebaut. 1967 in Italien abgestürzt.
HH-2C der Staffel HC-7HH-2C
Umbau von sechs UH-2C mit GE T58-8F Triebwerken zu bewaffneten und gepanzerten Rettungshubschraubern für den Einsatz im Vietnamkrieg. Die Bewaffnung bestand aus einer 7,62-mm-Minigun in einem Drehturm mit 4000 Schuss und 2× M60 mit 1600 Schuss. Die Minigun wurde wegen Unzuverlässigkeiten später entfernt.
Eine HH-2D 1981HH-2D
Umbau von 67 UH-2A/B zu unbewaffneten und ungepanzerten Rettungshubschraubern.
Sealite
War eine kleinere und leichtere Version der HH-2D. Es wurde nur ein Mockup gebaut.
NHH-2D
Als HU2K-1 (1961) gebaut, wurde 1964 der UH-2C Prototyp, später zur NUH-2C bezeichnet, 1972 zur HH-2D umgebaut und als NHH-2D bezeichnet. Später zur SH-3F modifiziert. 1981 außer Dienst gestellt. War während seiner ganzen Dienstzeit primär ein Testhubschrauber.
SH-2D
Umbau von 20 HH-2 zu U-Jagd-Hubschraubern.
YSH-2E
Umbau von zwei HH-2D zu U-Jagd-Hubschraubern mit großem Radar. Die Prototyp wurden für das LAMPS-Programm (1971–1974) unter anderem mit AN/APS-115, AN/APS-122 oder AN/APS-124 Radar ausgerüstet.
SH-2G der U.S. Navy ReserveSH-2F
U-Jagd-Hubschrauber mit zwei 1.350 WPS (1.007 kW) leistenden General Electric T58-GE-8F-Triebwerken und neuen Rotorsystem. 54 wurden neu gebaut, 104 wurden aus früheren Versionen (79× UH-2C, 6× HH-2C, 17× SH-2D, 2× YSH-2E) umgebaut.
YSH-2G
Umbau einer SH-2F als SH-2G-Prototyp mit GE YT-700-401.
SH-2G Super Seasprite
U-Jagd-Hubschrauber mit zwei 1.723 WPS (1.285 kW) General Electric T700-GE-401-Triebwerken und einer APU. 17 wurden neu gebaut. 24 SH-2F wurden umgerüstet, Kaman bietet dies weiterhin an.
149021 – als HH-2D 1971 gebaut, später zur SH-2F modifiziert, 1986 außer Dienst gestellt, seit 2006 als Ausstellungsstück im USS Hornet Museum in Alameda, Kalifornien.[8]
149031 – eine von zwei HH‑2D die keine LAMPS Modifikationen erhielt, wurde nur teilweise auf SH-2F Stand gebracht. War außerdem die letzte HH-2D der US Navy. Dort hatte sie das Callsign „Copyright 14“ oder „Shaka 14“. Jetzt im American Helicopter Museum & Education Center in West Chester, Pennsylvania.[10]
150155 – als UH-2B 1962 gebaut, später zur SH-2F modifiziert, 1978 außer Dienst gestellt, jetzt als Dauerleihgabe im Pima Air and Space Museum in Tucson, Arizona.
150157 – als UH-2B gebaut, zur SH-2F modifiziert, 1994 außer Dienst gestellt, jetzt im USS Midway Museum in San Diego.[11]
150175 – als UH-2B gebaut, zur SH-2F modifiziert, 1994 außer Dienst gestellt, wird seit 2008 als 150141 als Ausstellungsstück an Bord der USS New Jersey in Camden, New Jersey geführt.[12]
150181 – als UH-2B gebaut, wurde der LAMPS-III-Prototyp, später zur SH-2F modifiziert, seit 2005 im Battleship Memorial Park in Mobile.[13]
↑Gordon Swanborough, Peter M. Bowers: United States Navy Aircraft since 1911. Naval Institute Press, Annapolis (Maryland) 1990, ISBN 0-87021-792-5, S. 282–285.