close
The Wayback Machine - https://web.archive.org/web/20130407060125/http://www.ndr.de:80/home/offshoreleaks131.html
AKTUELLES AUS DER REGION
  • Norddeutschland Regionen Norddeutschland Hamburg Mecklenburg Vorpommern Schleswig-Holstein Niedersachsen
    Möglichkeit zur Auswahl der Region
 

Steueroasen: Deutsche Bank in der Kritik

von Mareike Fuchs, Lena Gürtler und Christoph Heinzle, NDR

Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt/Main. © picture-alliance Fotograf: Marius Becker Detailansicht des Bildes Das Datenleck zeigt, welche Rolle die Deutsche Bank bei der Verschleierung von Geldströmen spielt. Das jetzt bekannt gewordene riesige Datenleck vertraulicher Informationen aus Steueroasen hat die Konstrukte vieler Unternehmer, Politiker und Reicher aus der ganzen Welt enthüllt. Es zeigt darüber hinaus aber auch, dass praktisch alle international tätigen Großbanken wichtige Rollen in dem globalen Geschäft zur Verschleierung von Geldströmen spielen. Unter den deutschen Instituten ist dabei die Deutsche Bank besonders aktiv und hilft wohlhabenden Kunden, ihr Geld mithilfe oft komplexer Firmennetzwerke in Steuerparadiese zu schaffen.

Experten: Bank begünstigt mögliche Straftaten

Die meisten Firmen tragen Fantasienamen wie: "Thrilling Returns Incorporated" oder "Amazing Opportunity Limited". Nur Briefkastenfirmen? Eine Geschäftstätigkeit jedenfalls ist in öffentlich zugänglichen Quellen nur für einen kleinen Teil dieser Firmen festzustellen. Gegründet wurden sie auf Veranlassung der Deutschen Bank.

Nach Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" im Rahmen des internationalen Projekts "Offshore-Leaks" hat die Großbank im Auftrag von Kunden bis zum Jahr 2010 allein über ihre Niederlassung in Singapur 309 Firmen und Trusts in Steuerparadiesen registrieren lassen. Deshalb steht die Deutsche Bank jetzt in der Kritik. Politiker und Experten werfen ihr vor, damit der Verschleierung von Geldströmen Vorschub zu leisten und mögliche Straftaten zu begünstigen.

"Lupenreine Beihilfe zur Steuerhinterziehung"

Dr. Gerhard Schick, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) © Deutscher Bundestag Fotograf: H.J. Müller Detailansicht des Bildes "Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Korruptionsgelder - all das findet seinen Weg über Steueroasen", sagt der Grüne Schick. Der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick, sagt über das Geschäftsmodell: "Es ist zunächst einmal nicht illegal, Geld über eine Steueroase zu leiten. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das genutzt wird für etwas Illegales oder zumindest Illegitimes, ist sehr groß. Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Korruptionsgelder, all das findet dann seinen Weg über Steueroasen."

Denn von wem das Geld kommt und wo es hingeht, bleibt meist im Dunkeln. Für Steuerfahnder seien Gesetzesverstöße deshalb "sehr selten zu ermitteln", sagt der frühere Sachgebietsleiter der Steuerfahndung Frankfurt, Frank Wehrheim. Er sagt: "Die Bank weiß, was der Kunde will. Die reden schon Klartext. Und dann hat die Bank ihre Experten, die das Geschäftsmodell bedienen." Wehrheims Vorwurf an beteiligte Großbanken wie die Deutsche Bank: "Strenggenommen - wenn man diese Beratung hören würde - ist sie lupenreine Beihilfe zur Steuerhinterziehung." Auch Beihilfe zu anderen Straftaten wie Geldwäsche sei vorstellbar, so der Ex-Steuerfahnder.

Broschüre offeriert "Gründung und Verwaltung" von Trusts und Firmen

Über hundert Mitarbeiter der Deutschen Bank Singapur betreuten die Firmen mindestens bis ins Jahr 2010 in mehreren Steueroasen, größtenteils auf den Britischen Jungferninseln. Offiziell beteuert die Bank, sie habe "umfangreiche Vorkehrungen getroffen", um Geldwäsche zu verhindern. Details bleibt der Frankfurter Banksprecher aber trotz Nachfragen von NDR und SZ schuldig und erklärt nur so viel: "Die Deutsche Bank bietet weder Steuerberatung an, noch eine Dienstleistung 'Firmengründung in Steueroasen'."

Doch die "Offshore Leaks"-Recherchen zeigen eindeutig, dass Berater der Deutschen Bank Singapur die Firmen mit Hilfe des Dienstleisters "Portcullis TrustNet" registrieren ließ. Und mehr noch: in einer Broschüre offeriert die Deutsche Bank ihren Kunden ganz unverblümt die "Gründung, das Management und die Verwaltung" von Trusts, Firmen und Stiftungen in verschiedenen Ländern. Dafür arbeite man eng mit den Rechts- oder Steuerberatern der Kunden zusammen.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/home/offshoreleaks131.html
Dossier
Insel in Form eines Dollar-Zeichens © fotolia.com Fotograf: rolffimages
 

"Offshore-Leaks": Steueroasen und Strohmänner

Durch weltweite Recherchen können Steuerflüchtlinge nun enttarnt werden. mehr

Audios
Deutsche Bank in Frankfurt/Main © picture alliance / AP Photo Fotograf: Michael Probst
 
Audio

Offshore-Leaks: Großbanken verdienen mit

05.04.2013 | 07:58 Uhr
NDR Info

Auch Großbanken verdienen mit, wenn Kunden ihr Geld am Fiskus vorbei ins Ausland bringen. In Deutschland mit dabei: die Deutsche Bank. Christoph Heinzle berichtet.

Audiobeitrag starten (02:56 min)

"Banken müssen Geheimniskrämerei überwinden"

05.04.2013 | 08:10 Uhr
NDR Info

Der SPD-Finanzexperte Lothar Binding zu den Enthüllungen des "Offshore-Leaks"-Projekts.

Audiobeitrag starten (04:33 min)

Wirtschaftslexikon: Was ist eine Steueroase?

04.04.2013 | 07:41 Uhr
NDR Info

Auch in Europa locken sogenannte Steueroasen mit niedrigen Steuersätzen.

Audiobeitrag starten (01:52 min)
Weitere Informationen
Computer-Tastatur © picture-alliance/ dpa Fotograf: Sebastian Widmann
 
Video

"Offshore-Leaks": So gelang die Enthüllung

Erst mit spezieller Software schafften die Journalisten die Auswertung der Daten. mehr

Links

Die Deutsche-Bank-Enthüllungen beim "International Consortium of Investigative Journalists."

Link in neuem Fenster öffnen

Die Deutsche Bank bietet in dieser Broschüre Geschäfte in Steueroasen an.

Link in neuem Fenster öffnen