"Offshore-Leaks": Steueroasen und Strohmänner
Durch weltweite Recherchen können Steuerflüchtlinge nun enttarnt werden. mehr
Das Datenleck zeigt, welche Rolle die Deutsche Bank bei der Verschleierung von Geldströmen spielt.
Das jetzt bekannt gewordene riesige Datenleck vertraulicher Informationen aus Steueroasen hat die Konstrukte vieler Unternehmer, Politiker und Reicher aus der ganzen Welt enthüllt. Es zeigt darüber hinaus aber auch, dass praktisch alle international tätigen Großbanken wichtige Rollen in dem globalen Geschäft zur Verschleierung von Geldströmen spielen. Unter den deutschen Instituten ist dabei die Deutsche Bank besonders aktiv und hilft wohlhabenden Kunden, ihr Geld mithilfe oft komplexer Firmennetzwerke in Steuerparadiese zu schaffen.
Die meisten Firmen tragen Fantasienamen wie: "Thrilling Returns Incorporated" oder "Amazing Opportunity Limited". Nur Briefkastenfirmen? Eine Geschäftstätigkeit jedenfalls ist in öffentlich zugänglichen Quellen nur für einen kleinen Teil dieser Firmen festzustellen. Gegründet wurden sie auf Veranlassung der Deutschen Bank.
Nach Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" im Rahmen des internationalen Projekts "Offshore-Leaks" hat die Großbank im Auftrag von Kunden bis zum Jahr 2010 allein über ihre Niederlassung in Singapur 309 Firmen und Trusts in Steuerparadiesen registrieren lassen. Deshalb steht die Deutsche Bank jetzt in der Kritik. Politiker und Experten werfen ihr vor, damit der Verschleierung von Geldströmen Vorschub zu leisten und mögliche Straftaten zu begünstigen.
"Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Korruptionsgelder - all das findet seinen Weg über Steueroasen", sagt der Grüne Schick.
Der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick, sagt über das Geschäftsmodell: "Es ist zunächst einmal nicht illegal, Geld über eine Steueroase zu leiten. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das genutzt wird für etwas Illegales oder zumindest Illegitimes, ist sehr groß. Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Korruptionsgelder, all das findet dann seinen Weg über Steueroasen."
Denn von wem das Geld kommt und wo es hingeht, bleibt meist im Dunkeln. Für Steuerfahnder seien Gesetzesverstöße deshalb "sehr selten zu ermitteln", sagt der frühere Sachgebietsleiter der Steuerfahndung Frankfurt, Frank Wehrheim. Er sagt: "Die Bank weiß, was der Kunde will. Die reden schon Klartext. Und dann hat die Bank ihre Experten, die das Geschäftsmodell bedienen." Wehrheims Vorwurf an beteiligte Großbanken wie die Deutsche Bank: "Strenggenommen - wenn man diese Beratung hören würde - ist sie lupenreine Beihilfe zur Steuerhinterziehung." Auch Beihilfe zu anderen Straftaten wie Geldwäsche sei vorstellbar, so der Ex-Steuerfahnder.
Über hundert Mitarbeiter der Deutschen Bank Singapur betreuten die Firmen mindestens bis ins Jahr 2010 in mehreren Steueroasen, größtenteils auf den Britischen Jungferninseln. Offiziell beteuert die Bank, sie habe "umfangreiche Vorkehrungen getroffen", um Geldwäsche zu verhindern. Details bleibt der Frankfurter Banksprecher aber trotz Nachfragen von NDR und SZ schuldig und erklärt nur so viel: "Die Deutsche Bank bietet weder Steuerberatung an, noch eine Dienstleistung 'Firmengründung in Steueroasen'."
Doch die "Offshore Leaks"-Recherchen zeigen eindeutig, dass Berater der Deutschen Bank Singapur die Firmen mit Hilfe des Dienstleisters "Portcullis TrustNet" registrieren ließ. Und mehr noch: in einer Broschüre offeriert die Deutsche Bank ihren Kunden ganz unverblümt die "Gründung, das Management und die Verwaltung" von Trusts, Firmen und Stiftungen in verschiedenen Ländern. Dafür arbeite man eng mit den Rechts- oder Steuerberatern der Kunden zusammen.
Wer aufgibt, hat schon verloren
"Sobald entschieden ist, dass etwas gemacht werden kann und soll, werden wir auch einen Weg dazu finden." "Denke immer daran, dass deine eigene Entschlossenheit zu siegen wichtiger ist als alles... [mehr]