Genau zehn Jahre ist es her, dass in Österreich ein Song Contest ausgetragen wurde. Für 2015 waren auch Graz und Innsbruck ernsthafte Bewerber. Ausgetragen wurde die Veranstaltung letztendlich in Wien.
Interesse aus Graz
Für das kommende Jahr gibt es bereits Interesse von Städten quer durch Österreich. Darunter auch Graz, heißt es am Sonntag aus der Grazer SPÖ. Die SPÖ-Graz-Vorsitzende Doris Kampus kündigte eine Initiative im Gemeinderat an, um den Song Contest im nächsten Jahr nach Graz zu holen. Graz sei Kulturhauptstadt Europas gewesen (2003, Anm.) und bereit für das nächste internationale Großereignis. „Kultur ist ein zentraler Teil unserer Identität. Jetzt ist es Zeit, dass wir wieder diesen Stellenwert im Herzen Europas einnehmen“, so Kampus.
„Kosten müssen zu bewältigen sein“
Auch Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) denkt bereits über eine mögliche Bewerbung von Graz nach. „Mit der Stadthalle hat Graz nicht nur die passende Infrastruktur, sondern auch das Know-how, um Großveranstaltungen durchzuführen“, so Kahr. Sie werde eine mögliche Bewerbung deshalb im Stadtsenat besprechen, denn das Vorhaben sei nur dann umsetzbar, wenn es von allen mitgetragen werde und die Kosten für die Stadt zu bewältigen seien.
„Wirtschaftlicher Impuls für die ganze Steiermark“
Die Bewerbung solle sorgfältig vorbereitet werden: „Es geht nicht um ein ‚Koste es, was es wolle‘, sondern um eine realistische, professionelle Bewerbung mit Blick auf mögliche Mitfinanzierungen unterschiedlicher Partnerinner und Partner“, betont Kampus und ergänzt: „Ein Event wie der Song Contest würde nicht nur Millionen Menschen begeistern, sondern auch einen spürbaren wirtschaftlichen Impuls für Graz und die gesamte Steiermark bringen.“
Man solle mit Besonnenheit darüber diskutieren, ob Graz als ESC-Austragungsort infrage käme, sagt die Grazer Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne). Wichtig sei vor allem zu klären, wer die Kosten für diese Veranstaltung übernehmen könnte. Darüber will Schwentner ebenso wie auch Kahr und Kampus im Stadtsenat entscheiden.
Antrag im Gemeinderat
Die SPÖ Graz wolle in der kommenden Gemeinderatssitzung einen Antrag zur Unterstützung der ESC-Bewerbung einbringen, kündigt Kampus an. „Graz hat alles, was es braucht – Herz, Kultur, Erfahrung. Jetzt ist die Zeit, zu zeigen, dass wir Gastgeber und Gastgeberinnen Europas sein können. Es ist Zeit, dass unsere Stadt wieder eine europaweite Vorreiterrolle einnimmt.“
Auch Landesregierung offen für Bewerbung
Die Steiermark sei in der Lage, Großveranstaltungen wie den ESC auszutragen, heißt es vom Land Steiermark. Vor der Entscheidung zu einer konkreten Bewerbung um die Austragung in der Steiermark seien aber noch viele offene Fragen zu klären. Erste Gespräche würden zeitnah geführt werden, so Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) und seine Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) in einer Aussendung.
Von Großveranstaltungen würden der Tourismus und der Wirtschaftsstandort Steiermark profitieren. Dementsprechend bekenne sich die Landesregierung zu Großveranstaltungen, die eine Wertschöpfung für die jeweiligen Tourismusregionen erwarten lassen würden. Zuerst aber "müssen belastbare Zahlen auf den Tisch, um den finanziellen Aufwand für alle Beteiligten abschätzen zu können″, sagt Kunasek. Und Khom ergänzt: Es gehört zu einer verantwortungsvollen Politik, dass zuallererst konkrete Zahlen auf dem Tisch liegen müssen, um eine Finanzierung sicherstellen zu können.″
Kritik von KFG: „Graz kann sich das nicht leisten“
Kritik an dem Gedanken, sich als Austragungsort für den ESC 2026 zu bewerben, kommt von KFG-Klubobmann Alexis Pascuttini. „Graz kann sich eine ESC-Bewerbung schlichtweg nicht leisten“, so Pascuttini in einer Aussendung. Er kündigt bei einer Koalitionsmehrheit für die Austragung an, den Stadtrechnungshof um eine sofortige Prüfung dieses Vorhabens zu bitten, den er bereits am Montag kontaktieren werde.
NEOS: „Wenig realistisch“
Dass der Eurovision Song Contest nächstes Jahr in Graz stattfinden wird, hält NEOS-Fraktionsvorsitzender Philipp Pointner für wenig realistisch: „Natürlich wäre der ESC für Graz ein Gewinn. Aber zu welchem Preis? Eine Stadt, die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebt und dringend Reformen bräuchte, hat sich diese Chance selbst verbaut“, sagt Pointner. NEOS spricht von einem politischen Ablenkungsmanöver und ruft die Stadtregierung zur Zurückhaltung auf.
