- Foto: "Bees" von Sy // CC BY-NC-SA 2.0
Was macht eigentlich die Projektbetreuung beim Prototype Fund? - Ein Einblick in unsere Arbeit
Der Prototype Fund fördert Freie- und Open-Source-Software-Ideen mit gesellschaftlichem Mehrwert. Dabei sind uns die Personen, die die Software-Prototypen entwickeln, mindestens genauso wichtig wie das Endergebnis.
Im Team Prototype Fund sind die Projektbetreuer*innen Ansprechpersonen für die Geförderten. Wir sprechen bewusst von einer Projektbetreuung (zumindest auf Deutsch), denn Betreuung bedeutet für uns, dass sie zwischenmenschlich stattfindet.
Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse und Erfahrungen. Als Förderprogramm möchten wir bewusst darauf reagieren. Die geförderten Projekte des Prototype Fund können ein bis vier Personen-Teams haben, darunter Expert*innen, Studierte oder Autodidakt*innen. Es gibt Personen, die bereits Förderungen bekommen haben oder diejenigen, die das erste Mal eine Förderung erhalten. Einige haben wenig Projektmanagement-Erfahrung, andere sind Senior-Entwickler*innen, die langjährige Erfahrungen mitbringen. Es gibt Geförderte, die sich lange in der FOSS-Szene bewegen und auch diejenigen aus bisher in der Tech-Welt unterrepräsentierten Gruppen. Manche Teams haben sich speziell für die Förderung zusammen gefunden, andere arbeiten schon lange gemeinsam an einem Projekt usw. Auf diese Vielfalt möchten wir eingehen und sie unterstützen. Oder anders gesagt – wir möchten auch in der Rolle der Fördernden so flexibel und agil wie möglich bleiben, um auf die unterschiedlichen Situationen, die uns begegnen, offen reagieren zu können.
Wir unterstützen, fiebern mit, halten Raum, hören zu. Es ist uns wichtig, dass die Personen hinter den Projekten gesehen und gehört werden und dass die Herausforderungen, denen sie begegnen, ausgesprochen werden können. Open Source ohne die Menschen, die die Software bauen, zu fördern, widerspricht sich. Wir sehen unsere unterstützende Rolle über den Zuschuss von Geld hinausgehend, prozessbegleitend und wertschätzend.
Wie sieht das konkret aus?
Am deutlichsten wird unser Ansatz im Format des sogenannten Zwischengesprächs. Das sind 1:1 Gespräche zwischen der Projektbetreuung und den Geförderten, die im Schnitt alle zwei Monate stattfinden. Geblockt ist dafür eine Stunde, wie lange es schlussendlich dauert, entscheiden die Projekte. In dem Gespräch können beiderseits Fragen gestellt werden und es gibt die Möglichkeit, auch unangenehme Sachen auszusprechen, Überbelastung und Frust zu thematisieren oder offen über Schwierigkeiten zu reden. Oft ist ein Zwischengespräch aber auch einfach ein längeres Update zum aktuellen Stand der Projektentwicklung und es werden Ideen für die Zukunft ausgetauscht. Durch den engen Kontakt mit den Geförderten entsteht ein Gestaltungsfeld, das uns ermöglicht, individuelle Unterstützung anzubieten, sofern das gewünscht ist.
Daneben gibt es in der Projektbetreuung klassische Koordinations-Aufgaben für die Organisation von unterschiedlichen Online-Formaten, die wir mit Partnerinstitutionen anbieten. Darunter fallen Online-Seminare zu Themen wie Barrierefreiheit oder Organisationsgründung oder Sprechstunden mit Expert*innen zu Themen wie Fundraising, UX-Design, User-Testing etc. Hier können die Geförderten ihre Fragen an Expert*innen stellen und in der Gruppe diskutieren.
Dazu kommt die ständige Weiterentwicklung des Prototype Fund Wiki, in dem alle organisatorischen Fragen rund um die Förderung dokumentiert sind, das On- und Offboarding der Projekte in jedem Jahrgang sowie die Organisation von Events zum Beginn und zum Ende der Förderzeit.
Der Prototype Fund ist nicht nur Förder- sondern auch Forschungsprogramm, in dessen Rahmen ständig evaluiert wird. Die Bereitschaft zur Evaluation ist auch nach innen gerichtet und wir erforschen auch, wie eine gute Förderung funktionieren kann.
Aus Perspektive der Projektbetreuung versuchen wir, jeden Förderjahrgang neu zu erkennen. Zu Beginn wissen wir nicht, was die Personen, die eine Förderzusage bekommen, brauchen. Denn
mit dem jährlichen Wechsel der Projekte, ändern sich auch die Bedürfnisse der Geförderten. Diese Veränderung und Vielfältigkeit erleben wir positiv und bereichernd. Wir tauschen uns viel über die Bedürfnisse, die wir wahrnehmen, aus. Das führt dazu, dass wir jeden Jahrgang versuchen, etwas weiterzuentwickeln oder anzupassen. Und dazu beziehen wir auch die Projekte mit ein.
Wenn wir etwas neues ausprobieren, zum Beispiel ein neues Format, fragen wir die Geförderten, wie es ankommt und ob es passt. Denn jede noch so clevere Idee macht keinen Sinn, wenn sie für die Projekte keinen Mehrwert hat.
Wir verstehen uns als (ver-)lernendes Förderprojekt, das Feedback auf Augenhöhe erfragt und annimmt. Oftmals haben Geförderte in den letzten Jahren gute Ideen geäußert, die wir dann versuchen umzusetzen oder sie haben Tipps für Tools, die wir ausprobieren. Das PTF-Wiki ist ein gutes Beispiel dafür. Und auch die Nutzung eines Nextcloud-Kalenders für die jahrgangsinterne Kommunikation der Termine und Deadlines war die Idee einer*s Geförderten.
Im letzten Jahrgang gab es das erste Mal die so genannte Second Stage, eine Anschlussförderung von weiteren vier Monaten, bei der die nachhaltige Verankerung der Projekte im Vordergrund steht. Die Idee der Second-Stage-Förderung ist aus der Beobachtung der Bedürfnisse der Projekte in den letzten acht Jahren Prototype Fund entstanden. Wir konnten in den 16 Förderrunden eine gute Expertise aufbauen und damit die Second-Stage-Förderphase gestalten.
Aus der internen Evaluation und dem Feedback der Geförderten sind gute Ideen entstanden, damit wir die Second Stage durch kleine Anpassungen und Erweiterungen für die nächsten Jahre noch besser machen können.
