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Nanoelektronik

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BERJAYA
Beispiel für ein nanoelektronisches Gerät: Schema des Doppelgate eines FinFET.[1][2] Diese Transistorstrukturen sind eine Weiterentwicklung seit den 2010er Jahren und lösen in manchen Prozessen die Planartechnik ab.[3] „Fin“ (von Finne) markiert den Kanal zwischen Quelle und Sinke. FinFET ermöglichen Technologieknoten im Sub-10 nm Bereich.

Als Nanoelektronik werden integrierte Schaltkreise (ICs) bezeichnet, deren Strukturbreiten unter 100 nm liegen.[4][5] Dabei werden die Halbleiterstrukturierungsverfahren, wie die Fotolithografie, an ihre Grenzen gebracht und es werden neue Verfahren, wie die EUV-Lithografie, relevant.

Der Begriff umfasst aber auch die Forschung und Entwicklung im Bereich der Halbleiter- und Festkörperphysik, die sich mit elektronischen und optischen Nano-Bauelementen beschäftigt.

In diesem Bereich müssen physikalische Effekte beachtet werden, die zuvor unbekannt oder vernachlässigbar waren. Ein Beispiel sind die quantenphysikalischen Effekte der Elektronen in Wechselwirkung mit den Atomen des Halbleitermaterials – meist Silicium – sowie andere technologische Fragen, beispielsweise zur Herstellung der Strukturen. Nanoelektronik erforscht und entwickelt daher neue Formen der Bauelemente mit neuen Funktionsprinzipien.

Zielsetzung der Nanoelektronik ist es, elektronische Bauteile im Nanometerbereich zu verkleinern, um letztlich Rechenkapazitäten, Speicherkapazitäten, die Geschwindigkeit und die Effizienz von Computerchips zu steigern. Dazu sollen v. a. die elektronischen Eigenschaften von Nanohalbleiterstrukturen erforscht und verbessert werden. Daneben gilt es, den Schaltungsaufbau und die Architektur von Computerchips anwendungsbezogen zu optimieren. Außerdem sollen die Gesetze der Quantenphysik soweit wie möglich für die Mikroelektronik nutzbar gemacht werden.

Weiterhin soll die Nanoelektronik bessere Techniken und Geräte für die Elektronikfertigung liefern und durch neuartige Schaltungen und Bauelemente die logische Verknüpfung, Speicherung und Verarbeitung von Daten optimieren. Es wird erwartet, dass analog zur Entwicklung der Mikroelektronik der technische Fortschritt in nahezu allen Branchen positiv beeinflusst wird und dass im Ergebnis eine noch höhere Funktionalität von Geräten bei geringeren Kosten vorliegen wird.

Der Begriff der Nanoelektronik unterliegt keiner strengen Definition oder Norm, da der Übergang zwischen Mikroelektronik und Nanoelektronik fließend verläuft oder es wird nicht unterschieden, d. h., vieles unter dem Begriff Mikroelektronik behandelt.

Die Einschränkung Nanoelektronik nutzt „quantenmechanische Funktionsprinzipien oder Ähnliches“ wird ebenfalls als nicht sinnvoll erachtet, auch da dies „Bauelemente einschließen würde, die seit Jahrzehnten in Verwendung sind (beispielsweise Laserdioden, SQUIDs etc.) und üblicherweise nicht zur Nanoelektronik gezählt werden.“[4]

Die Nanoelektronik ist eng verwandt mit der Mikroelektronik, die sich mit der Miniaturisierung von elektronischen Bauelementen und dessen Integration zu komplexeren Baugruppen beschäftigt. Dies stellte eine deutliche Verkleinerung gegenüber der zuvor genutzten Röhrenelektronik, weswegen man die „neue“ Elektronik als Halbleiter- und später dann Mikroelektronik (von. μικρός mikros, dt. ‚klein‘) bezeichnete. Zugleich lagen in der Anfangsphase die Maße dieser Bauelemente sowie deren kleinster Bestandteile (z. B. Gate-Länge oder Gate-Oxide-Dicke eines Transistors) im Mikrometer-Bereich uznd wurde ab der Jahrtausendwende (21. Jahrhundert) immer kleiner, vgl. die Skalierung entlang des Mooreschen Gesetz. Die grundlegende Funktionsweise und Aufbau der elektronischen Bauelemente (vor allem der Transistoren) blieben dabei weitgehend unverändert. Gestiegene Anforderungen an die Fertigung wurden weitgehend mit denselben bzw. modifizierten Herstellungsprinzipien erfüllt.

In dieser Hinsicht wird die Nanoelektronik einfach als Mikroelektronik im Nanometerbereich interpretiert, das heißt mit Strukturgrößen kleiner als 100 nm.[4] Diese einfache, sehr grobe Definition enthält keinen direkten Bezug auf neue notwendige Lösungsstrategien, die aufgrund des steigenden Einflusses quantenmechanischer Phänomene nicht mehr bei der Funktionsweise und Aufbau der elektronischen Bauelemente als auch bei der Fertigung vernachlässigbar sind. Mit diesen neuen Ansätzen ist die Nanoelektronik somit auch verbunden mit der Nutzung auch neuer Materialien (z. B. High-k-Dielektrika), Fertigungsprinzipien (z. B. Immersionslithografie, EUV-Lithografie) und Bauelementkonzepte (z. B. FinFET und dessen Weiterentwicklungen sowie Kohlenstoff-Nanoröhren-Feldeffekttransistor) für die Fortführung der Skalierung „konventionellen“ Konzepte im Rahmen des Mooreschen Gesetzes als auch neuer Konzepte der Nanoelektronik, die unter anderem mit den Begriffen „More Moore“, „More than Moore“ oder „Beyond CMOS/Moore“ bezeichnet werden.

Dabei spielt auch die Roadmap der Halbleiterindustrie eine entscheidende Rolle: Die International Technology Roadmap for Semiconductors (ITRS) wurde 2017 von der International Roadmap for Devices and Systems (IRDS) abgelöst. Letztere stellt einen Paradigmenwechsel von der „konventionellen“ Skalierung integrierter Schaltungen (ICs) hin zu nanoelektronischen Systemen heraus.

Mikro- zu Nanoelektronik

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Basismaterial für die Mikroelektronik und auch Nanotechnologie bildet seit mehreren Jahrzehnten der Halbleiter Silicium (Si). Verantwortlich dafür ist unter anderem die relativ gute Verfügbarkeit, sowie die Beherrschung der Gewinnung, Reinigung und Kristallzucht des Rohstoffs und vor allem die Kombination mit seinem Oxid (Siliziumdioxid), das als Isolatormaterial eingesetzt wird und sehr gute Haftungseigenschaften auf Silicium besitzt. Die bisherige Entwicklung der Herstellungsprozesse für Siliziumeinkristalle ermöglicht mittlerweile die großvolumige Herstellung qualitativ hochwertiger Kristalle für Substrate (Wafer) mit Durchmessern von 300 mm für die Massenproduktion (hohe Ausbeute) von integrierten Schaltungen (ICs). In der Forschung und Entwicklung kommen jedoch kleinere Wafer zum Einsatz.

Da sich aber mit sinkenden Strukturbreiten Leckströme und Quanteneffekte immer stärker bemerkbar machen, wurde es notwendig, neue Konzepte, wie den Y-Transistor oder den FinFET-Transistor zu entwickeln, und neue Materialien in den Herstellungsprozess zu integrieren. Nur so wurde es möglich, weiterhin die Leistung elektronischer Komponenten zu steigern und gleichzeitig die Kosten zu reduzieren. Das Ende dieser Entwicklung wurde in den letzten Jahrzehnten bereits mehrmals prognostiziert, die bestehenden Probleme, insbesondere die für unüberwindbar gehaltenen physikalischen Grenzen im Herstellungsprozess, konnten aber immer wieder überwunden werden. Trotzdem werden die „konventionellen“ Konzepte irgendwann ausgeschöpft sein, und es wird notwendig sein, völlig neue Konzepte zu entwickeln.

Ein Beispiel für eine neue interdisziplinäre Technologie mit Bezug zur Nanoelektronik ist die EUV-Lithografie. 2012 erfolgte die Strukturierung der kritischen Ebenen noch ausschließlich mit „konventioneller“ Fotolithografie, die UV-Licht mit einer Wellenlänge von 193 nm (Argonfluorid-Excimerlaser) verwendete. Mithilfe von aufwendigen und damit teuren Konzepten wie der Mehrfachstrukturierung konnte die Nutzung der ArF-Immersionslithografie bis hin zum 10- bzw. 7-nm-Technologieknoten verlängert werden. Dennoch wurde die Entwicklung der EUVL vorangetrieben und kam 2019 bei ähnlichen Strukturgrößen zum Einsatz, da sie nun ausreichend ausgereift für den produktiven Einsatz war und nun endlich auch im kommerziellen Umfeld Vorteile ggü. den „konventioneller“ Methoden hatte.

Physikalische Grenzen und Konsequenzen

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Der kleinste Abstand von Siliziumatomen im Einkristall beträgt 0,235 nm (= 235 pm)[6], was nur wenig größer als der doppelte kovalente Radius von 0,222 nm ist. Daraus ergibt sich, dass bei einer Strukturbreite von 5 nm nur noch etwa 20–25 Siliziumatome (in [[110]] der Diamantstruktur) miteinander verbunden sind. Intel plante Ende 2019 die Massenfertigung der 1,4 nm Strukturbreiten voraussichtlich im Jahre 2029 beginnen zu können.[7] Im nächsten Skalierungsschritt, dem 1,0-nm-Technologieknoten, sind nur noch etwa 4–5 Siliziumatome miteinander verbunden. Bei diesen Verhältnissen wird klar, dass eine „Pikoelektronik“ (< 100 pm, theoretisch) nie realisiert werden kann, da auch alle anderen Atome des Periodensystems einen doppelten kovalenten Radius im Bereich 130–500 pm aufweisen. Somit können die Strukturbreiten für integrierte Schaltkreise nicht beliebig verkleinert werden.[8] Um die Leistung der Mikrochips bei vergleichbarer thermischer Verlustleistung weiter zu steigern, müssen neue innovative Konzepte erfunden werden, welche nicht mehr von der materiellen Strukturgröße abhängen.

Historische und aktuelle Entwicklung (Kurzfassend)

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Die International Technology Roadmap for Semiconductors (ITRS) schlägt die Standards für Technologieknoten vor, so z. B. auch 2017 die Knoten 2 nm, 1,5 nm und 1 nm. Die kleinsten Strukturbreiten integrierter Schaltkreise, insbesondere von Mikroprozessoren in Serienproduktion, lagen:

Speicherchips haben einfachere Schaltpläne-Architekturen, so kommt es, dass diese in Größe der Technologieknoten den Prozessoren chronologisch meistens leicht voraus sind:

  • 2002 bei 90 nm, DRAM von Toshiba (Weltweit erste Massenproduktion integrierter Schaltkreise unter 100 nm)[9]
  • 2010 bei 24 nm, NAND-Flash von Toshiba
  • 2013 bei 10 nm, NAND-Flash von Samsung
  • 2017 bei 7 nm, SRAM von TSMC

Berichte und Andere

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  • Staff: Technology Forecast: 2000 – From Atoms to Systems: A Perspective on Technology. PricewaterhouseCoopers Technology Centre, Menlo Park, CA 2000, ISBN 1-891865-03-X (englisch, archive.org).
  • Sven Wydra, Clemens Blümel, Michael Nusser, Axel Thielmann, Ralf Lindner, Christoph Mayr: Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft im Hinblick auf die EU-Beihilfepolitik - am Beispiel der Nanoelektronik. Innovationsreport. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), 2010, doi:10.5445/IR/1000131737.
  • Karl-Heinz Haas, Günter Tovar, Fraunhofer-Allianz Nanotechnologie (Hrsg.): Angewandte Nanotechnologie: Beispiele aus der Fraunhofer-Allianz Nanotechnologie. Fraunhofer Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-8396-0918-7.

Einzelnachweise

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  1. Koosha Karimi, Ali Fardoost, Mehdi Javanmard: Comprehensive Review of FinFET Technology: History, Structure, Challenges, Innovations, and Emerging Sensing Applications. In: Micromachines. Band 15, Nr. 10, 25. September 2024, ISSN 2072-666X, S. 1187, doi:10.3390/mi15101187, PMID 39459061, PMC 11509352 (freier Volltext) (englisch, mdpi.com [abgerufen am 25. Juli 2026]).
  2. Debajit Bhattacharya, Niraj K. Jha: FinFETs: From Devices to Architectures. In: Advances in Electronics. Band 2014, Nr. 1, 2014, ISSN 2314-7881, S. 365689, doi:10.1155/2014/365689 (englisch, wiley.com [abgerufen am 25. Juli 2026]).
  3. Shmuel Wimer: Planar CMOS to multi-gate layout conversion for maximal fin utilization. In: Integration. Band 47, Nr. 1, 1. Januar 2014, ISSN 0167-9260, S. 115–122, doi:10.1016/j.vlsi.2013.03.004 (englisch, sciencedirect.com [abgerufen am 24. Juli 2026]).
  4. 1 2 3 Basierend auf der Definition von „National Nanotechnology Initiative“ (NNI, USA) und der Europäischen Kommission, vgl. Peter Russer, Paolo Lugli, Marc-Denis Weitze: Nanoelektronik: Kleiner – schneller – besser. Springer-Verlag, 2014, ISBN 978-3-642-35791-6, S. 22 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Charles M. Lieber: The Incredible Shrinking Circuit. 1. September 2001, abgerufen am 24. Juli 2026 (englisch).
  6. John Kotz, Paul Treichel, John Townsend: Chemistry and Chemical Reactivity. Cengage Learning, 2008, ISBN 978-0-495-38712-1, S. A-95 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche Lösung eines entsprechenden Rechenaufgabe.).
  7. Michael Eckstein: Nach 10-nm-Debakel: Intels Zehnjahres-Roadmap zum 1,4-nm-Prozessknoten. In: elektronikpraxis.vogel.de. 16. Dezember 2019, abgerufen am 17. Juni 2020.
  8. Jens D. Billerbeck: „Atome lassen sich nicht verkleinern“. In: ingenieur.de. 14. April 2006, abgerufen am 17. Juni 2020.
  9. Toshiba and Sony Make Major Advances in Semiconductor Process Technologies. In: toshiba.co.jp. Toshiba Corporation, 3. Dezember 2002, abgerufen am 1. Juli 2020 (englisch).
  10. Hannes Brecher: TSMC beginnt mit der Produktion von 5 nm-Chips. In: notebookcheck.com. 20. Juni 2020, abgerufen am 23. Juni 2020.