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Die ehemalige Garnisonkirche "St. Martin" zu Dresden


Nach Beendigung der Arbeiten an den Kasernenanlagen (den gr��ten in Europa mit einstmals 10.000 Soldaten) im Dresdner Norden im Jahre 1879 bestand die Notwendigkeit, ein eigenes Gotteshaus f�r die in der sogenannten "Albertstadt" (benannt nach K�nig Albert) stationierten Soldaten zu schaffen. Bis dahin war die in Dresden-Neustadt an der Hauptstra�e gelegene Dreik�nigskirche f�r die protestantische und die Hofkirche (heute Kathedrale) in der Altstadt f�r die katholische Milit�rseelsorge zust�ndig.

In dem ausgelobten Wettbewerb ging der erste Preis aus 40 Einsendungen an die Architekten William Lossow und Hermann Viehweger, die sich in Dresden bereits um das Schauspielhaus verdient gemacht hatten. Der Entwurf sah den Bau zweier Kirchen (f�r jede Konfession eine) unter einem Dach, einer sogenannten Simultankirche, vor. Der Gesamtgrundri� gibt die Form eines lateinischen Kreuzes wieder, wobei der evangelische Teil das breite Querhaus und der katholische Teil das verk�rzte Langhaus bildet. Getrennt sind beide Teile durch eine dicke Brandmauer, die Ch�re sind nach S�den ausgerichtet. Die Kirchenr�ume sind parallel zueinander angeordnet, wobei das Dach beide in einer Linie �berspannt und damit als ganzes Langschiff erscheinen l��t.

Die Grundsteinlegung erfolgte im Beisein von Vertretern des Staates, des K�nigshauses und der Kirchen am 28. Oktober 1895. Bemerkenswert ist, da� insgesamt drei Grundsteine gelegt wurden, wovon einer f�r den katholischen, einer f�r den evangelischen Teil und einer f�r den Turm bestimmt war. Die Einweihung erfolgte am 28. Oktober 1900.

�u�erlich ist die Kirche durch eine Quaderung der Sandsteinfassade gepr�gt. An der S�dfassade ist deutlich die Doppelfunktion erkennbar: links der breite, stark hervorspringende evangelische Chor mit drei gro�en Fensterrosen, seitlich begrenzt durch Treppent�rme und vorgelagerten Kapellenkranz, im neoromanischen Stil ausgef�hrt, w�hrend der rechts daneben liegende kleinere katholische Chor mehr dem gotischen Vorbild folgt. Kr�ftige Strebepfeiler zwischen den Rundbogenfenstern betonen hier die Vertikale.

Die gro�en Ost- und Westgiebel werden bestimmt durch eine Fensterrose �ber den Eingangsportalen. Die durch den Turm geteilte Nordfassade besitzt ebenfalls zwei Giebel mit Fensterrose sowie darunterliegende Rundbogenfenstergalerien �ber den jeweiligen Eingangsportalen beider Kirchen.

Das Steildach der Kirche ist stark gegliedert und nimmt 2/5 der Gesamth�he des Baues ein. Die Giebelfirstpunkte sind durch Kreuzblumen, die Traufpunkte durch Fialen geziert, Dreiecksgaupen lockern das Dach auf. Nach dem Vorbild der Gotik finden sich Wasserspeier in Gestalt von D�monenk�pfen wieder wie z.B. am Eingang zur katholischen Sakristei.

BERJAYADer auf quadratischem Grundri� erbaute 90 m hohe Turm erinnert in Form und Stellung an einen italienischen Campanile. Er ist vom Fu� bis zur Spitze aus Sandstein gemauert und durch eine vergoldete Turmkugel und ein Kreuz bekr�nt. Gegliedert ist der Turm in mehrere Geschosse. Zu ebener Erde befindet sich eine offene Halle mit zwei gro�en, durch Archivolten verzierten Stufenportalen nach Norden und Osten, wo mehrere Bronzegedenktafeln f�r gefallene Soldaten des Deutsch-Franz�sischen Krieges (1870/71) angebracht sind. Dar�ber sind zwei geschlossene Geschosse, die sich durch Rundbogenfriese und Blendarkaden hervorheben, zwei L�wen halten ein s�chsisches Wappen.

Der im Gescho�innern befindliche, in englischem Rot ausgemalte Raum beherbergt ein Gipsmodell der Kirche im Ma�stab 1:100 sowie zahlreiche Modelle und Formst�cke von Schmuckelementen, Kapitellen und Konsolen der Innenausstattung der Kirche. Im n�chsten Gescho�, gekennzeichnet durch �bereinanderliegende schlanke dreiteilige Fenstergruppen, befinden sich die Glockenst�hle. Au�erdem besitzt dieses Gescho� vier Balkone. Der viereckige Grundri� wird abgeschlossen durch einen Rundbogenfries. Die darauffolgenden vier Eckt�rmchen bilden mit dem "Uhrgescho�" den �bergang zum Achteck. Das dar�berliegende Gescho� ist gekennzeichnet durch Balustraden mit Rundbogent�ren, Rosen und Spitzgiebeln. Der Turmhelm ist in zwei Dritteln seiner H�he durch einen Fensterkranz unterbrochen.

Die Ausmalung des katholischen Kirchenraums befindet sich noch heute im Ursprungszustand, wobei sie teilweise originalgetreu restauriert wurde. Im Zuge der Liturgiereform der katholischen Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde 1971/1972 die Kirche nach Pl�nen des Architekten Gonschor umgestaltet. Dabei entfernte man die Kanzel, zwei Seitenalt�re, den Kronleuchter und die Kommunionbank.

Die 1954 neugestalteten Chorfenster wurden Ende der neunziger Jahre des 20. Jh. restauriert. Die dar�ber liegenden Fenster im Ma�werk, einige kleine im Prozessionsgang sowie Teile der seitlichen Nordfenster zeigen noch den Originalzustand. Die Restaurierungsarbeiten wurden durch eingenommene Spenden und Mittel der Pfarrgemeinde Fanziskus-Xaverius finanziert. Die Ostrose war durch Kriegseinwirkung 1945 zerst�rt worden. Sie wurde danach wei� verglast und ist Ende der achtziger Jahre farblich neu gestaltet worden.

Der Hauptaltar aus Cottaer Sandstein tr�gt mehrere Glasmosaiken. Das Altarbild zeigt Christus als Weltenrichter vor einem goldenen Hintergrund. Rechts und links davon stehen die Sandsteinplastiken der Apostel Petrus und Paulus. Hinter dem Altar verl�uft ein Prozessionsgang. �ber der linken Empore unter der Ostrose befindet sich ein Glasmosaik, das den Erzengel Michael darstellt. Dem gegen�ber oberhalb der rechten Empore ist ein gemalter Vorhang zu sehen, der an der Trennwand zum evangelischen Teil die �kumene symbolisiert. Die Orgelempore besitzt ein kr�ftiges Gesims aus Blendarkaden. Beeindruckend ist das Gew�lbe �ber dem Mittelschiff, das auf vier Pfeilern ruht, die jedoch im Gegensatz zum evangelischen Teil keine statische Funktion haben. Die sternf�rmigen Gew�lberippen, die durch ringf�rmige Schlu�steine betont werden, sind durch verschiedene farbige Ornamente verziert und haben rein dekorative Bedeutung. Die Decke ist mit einem Sternenhimmel in blau und gold sowie vier Engeln ausgemalt. Die W�nde bis zur K�mpferh�he tragen eine Quaderbemalung im Ockerton mit wei�en Fugen.

Die Garnisonkirche diente nur bis 1945 der Garnison als Kirche. Seitdem ist sie Heimat der katholischen St.-Franziskus-Xaverius-Gemeinde, deren Kirche an der Hauptstra�e durch die Bombenangriffe vom 13./14. Februar 1945 zerst�rt wurde. (Aus dieser Kirche stammt auch das Mutter-Gottes-Bild links vom Altar.) Au�erdem dient sie wieder seit dem Umzug der Offiziersschule des Heeres von Hannover nach Dresden im Jahre 1998 der katholischen und evangelischen Milit�rseelsorge. Der evangelische Teil wird nicht mehr sakral genutzt. Jahre lang waren dort der Theaterfundus und die Phonothek der ehemaligen S�chsischen Landesbibliothek (heute S�chsischen Landes- und Universit�tsbibliothek) untergebracht. Seit 2004 beherbergt der evangelische Teil die Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Im April 1999 begann eine gr�ndliche Sanierung und Restaurierung des Geb�udes. Dach, Turm und Fassade lassen die alte Sch�nheit des Bauwerkes inzwischen wieder erkennen. Im Inneren des katholischen Teiles der Kirche sind Gemeinde und F�rderverein bem�ht, schrittweise und behutsam die Ausstattung zu restaurieren bzw. zu erneuern.  


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