Kinderarbeit auf Kakaoplantagen in Westafrika Schuld und Schokolade
Ivorisches Mädchen mit Kakaofrucht: Die Armut verschwindet nicht
Foto:Eric Lafforgue / imago images
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Ruth Addo stieg mit 19 Jahren in das Kakaobusiness ein, als Bestäuberin. Nördlich der ghanaischen Hauptstadt Accra war sie im Einsatz, ausgerüstet mit einem Topf Blütenstaub und einer langen Pinzette. Sie verrichtete den Dienst der Bartmücke, denn davon gibt es dort nicht mehr so viele. Ohne dieses winzige Insekt gäbe es kaum Schokolade, in die schmalen Blütenköpfe des Kakaos können nur wenige Insekten so gut einfliegen.
Addo spielte also Bartmücke, wie Tausende andere menschliche Bestäuber, die das staatliche Ghana Cocoa Board zur Blütezeit ausschwärmen lässt. Der massenhafte Arbeitseinsatz soll die Ernte verbessern, und er ist notwendig, weil der hohe Pestizideinsatz Insekten vernichtet.
»Sie sprühen sehr viel«, sagt Addo, heute 23 Jahre alt, per Videoschalte. Und ein Kollege, der bei Kakaoarbeitern aufwuchs, ergänzt: »An Kopfschmerzen und Übelkeit haben wir uns auf den Farmen schon als Kinder gewöhnt.«
Braunes Gold wird Kakao genannt. Doch für Addo und ihren Kollegen war er das nie. 150 Bäume musste sie pro Tag schaffen, dafür bekam sie etwas mehr als 50 Euro im Monat. Vor ein paar Wochen hat Addo aufgehört mit der Arbeit als Bestäuberin; deshalb kann sie offen reden. Sie habe »viele Kinder« arbeiten sehen. Oft fingen sie mit zehn, elf Jahren an, ihren Eltern zu helfen, »aber es gibt auch Achtjährige«.
