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"A Warning" Ex-Ministeriumsmitarbeiter outet sich als Autor von Trump-Enthüllungen

2019 erschien die "Warnung": Ein hoher US-Beamter veröffentlichte Interna aus Donald Trumps Regierung. Nun erklärt sich der ehemalige Sicherheitsmitarbeiter Miles Taylor für verantwortlich.
Miles Taylor 2018 neben seiner ehemaligen Chefin Kirstjen Nielsen
Miles Taylor 2018 neben seiner ehemaligen Chefin Kirstjen Nielsen

Miles Taylor 2018 neben seiner ehemaligen Chefin Kirstjen Nielsen

Foto: Tim Godbee / AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

US-Präsident Donald Trump sei ignorant, gefährlich und psychisch so labil, dass mehrere Minister erwogen hätten, ihn zu stürzen: Im November 2019 erschien das Enthüllungsbuch "A Warning" ("Warnung aus dem Weißen Haus"), in dem einige scharfe Vorwürfe gegen Trump formuliert wurden. Der Autor des Buchs versteckte sich hinter dem Pseudonym "Anonymous", doch nun gibt er sich offenbar zu erkennen: Miles Taylor, ehemaliger Stabschef des Heimatschutzministeriums, hat erklärt, Autor von "A Warning" zu sein.

"Donald Trump ist ein Mann ohne Charakter", twitterte Taylor am Mittwochabend: "Deswegen habe ich 'A Warning' geschrieben. Und deswegen haben ich und meine Kollegen uns (unter unserem eigenen Namen) über Monate gegen ihn ausgesprochen." Nun sei es Zeit, aus dem Schatten zu treten.

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Miles Taylor ist ein ehemaliger Beamter aus dem Ministerium für Innere Sicherheit der USA. Dort arbeitete er von 2017 bis 2019 als Stabschef für Ministerin Kirstjen Nielsen. Als hoher Beamter soll Taylor laut "New York Times"  auch direkten Kontakt mit Trump gehabt haben, dabei sei es vor allem um Themen wie Einwanderung, Internetsicherheit und Terrorismus gegangen. Ende 2019 trat Taylor von seinem Job zurück, heute arbeitet er unter anderem beim Fernsehsender CNN und unterstützt den Wahlkampf von Joe Biden.

"Ich bin Republikaner, und ich wollte, dass dieser Präsident Erfolg hat"

Öffentlich hat Taylor Trump zuletzt häufiger kritisiert. In seiner nun veröffentlichten Stellungnahme  schrieb er mit Blick auf die anstehende Präsidentschaftswahl: "Wir allein müssen entscheiden, ob sein Verhalten eine Fortsetzung seiner Amtszeit rechtfertigt, und wir stehen vor einer folgenschweren Entscheidung, da unsere Entscheidung über Trumps Zukunft unsere Zukunft auf Jahre hinaus beeinflussen wird."

Vor Jahren habe er Trump noch unterstützt, so Taylor. "Ich bin Republikaner, und ich wollte, dass dieser Präsident Erfolg hat", heißt es in Taylors Mitteilung. Von der Regierung sei er dann aber enttäuscht gewesen, weil Trump ein Mann ohne Charakter sei und zu viele Fehler mache. 2018 schrieb Taylor bereits einen kritischen Essay in der "New York Times" , ebenfalls anonym. In dem Essay schrieb der Autor, er sei Teil einer geheimen "Widerstandskraft", die sich gegen Trumps "fehlgeleitete Impulse" wende und Teile seiner Agenda unterminiere. Das bewegte Trump dazu, von einem "Deep State" zu sprechen, der innerhalb seiner Regierung gegen ihn arbeite.

2019 gab Taylor seinen Job dann auf. "Als ich die Regierung verließ, schrieb ich 'A Warning', eine Charakterstudie", so Taylor. Das Buch sei auch eine Warnung an die Wähler gewesen, dass die Trump-Regierung nicht so schlimm sei, wie sie aussah. "Es war schlimmer."

In dem Buch sammelte Taylor einige schwere Vorwürfe:

  • Trump zeige wachsende Anzeichen geistiger Verwirrung.

  • Zeitweilig habe das Kabinett hinter vorgehaltener Hand diskutiert, Trump mit dem 25. Verfassungszusatz wegen mangelnder Zurechnungsfähigkeit zu stürzen.

  • Trump verrate manchmal Staatsgeheimnisse, um zu prahlen. So habe er einem Reporter im Oval Office einmal stolz ein Geheimdokument gezeigt: "Sehen Sie?"

  • Eine Reihe hochrangiger Regierungsmitarbeiter hätte den Massenrücktritt erwogen - ein "Mitternachtsmassaker". Sie hätten nur davon abgesehen, weil das "die Lage noch mehr verschlechtert" hätte.

Er habe das Buch anonym veröffentlicht, damit Trump ihn nicht persönlich angreifen könne, sondern sich zu den Vorwürfen äußern müsse, schreibt Taylor. Das Buch bekam allerdings weniger Aufmerksamkeit als Enthüllungsbücher, die nicht anonym veröffentlicht wurden.

Trump reagierte verärgert

Kurz nach Taylors Mitteilung, er sei der Autor von "A Warning", äußerte sich Kayleigh McEnany, Pressesprecherin im Weißen Haus, zu der Veröffentlichung. Sie nannte Taylor einen "Lügner und Feigling" und bezeichnete ihn als "ineffizient und inkompetent" in seinem Job, weswegen er schnell entlassen worden sei.

Bei einem Wahlkampfauftritt in Arizona  nannte Trump Taylor einen "Widerling". "Dieser Kerl sollte meiner Meinung nach strafrechtlich verfolgt werden", sagte Trump. Seine Berichte und sein Buch seien nur ein weiterer "Schwindel" des politischen Establishments.

ptz/dpa/AP/Reuters