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Coronakrise in den USA New Yorks Gouverneur will Wirtschaft nicht vor Leben stellen

Während Donald Trump die Betriebe bald wieder hochfahren will, warnt Gouverneur Cuomo vor einer zweiten Epidemie-Welle. Der Präsident soll nach Recherchen der "New York Times" indes Corona-Warnungen lange ignoriert haben.
Rushhour in New York: Wo sonst Autos im Stau stehen, sind die Straßen nun fast leer
Rushhour in New York: Wo sonst Autos im Stau stehen, sind die Straßen nun fast leer

Rushhour in New York: Wo sonst Autos im Stau stehen, sind die Straßen nun fast leer

Foto: Mark Lennihan/ AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Andrew Cuomo, Gouverneur des US-Bundesstaats New York, hat vor einem zu frühen Wiederhochfahren der angeschlagenen Wirtschaft gewarnt. Er werde in der Coronakrise nicht zwischen verlorenen Leben und verdienten Dollars wählen, sagte Cuomo. "Ich bin nicht bereit, diese beiden Dinge zu trennen."

Angesichts der sich stabilisierenden Patientenzahlen in Krankenhäusern in dem Bundesstaat werden Rufe nach einem Neustart der Wirtschaft lauter. Cuomo verwies auf eine drohende zweite Infektionswelle und sagte, über Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen könne nur schrittweise entschieden werden.

Erneut starben in New York viele Menschen, innerhalb eines Tages wurden 783 neue Todesfälle gemeldet. Die Gesamtzahl der Todesopfer durch das Virus liegt damit bei 8627. Die USA insgesamt waren an diesem Samstag vor Italien das Land mit den meisten Corona-Toten. In den Vereinigten Staaten starben nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität mehr als 19.700 Menschen infolge der Corona-Pandemie, in Italien wurden 19.468 Tote registriert. Mehr als eine halbe Million Menschen waren nachweislich infiziert.

Die Werte einzelner Länder lassen sich wegen der unterschiedlichen Testquote und erwarteten hohen Dunkelziffer insgesamt allerdings nur schwer vergleichen. Zudem hinkt der Vergleich der absoluten Zahlen wegen der unterschiedlichen Bevölkerungsgrößen.

"New York Times": Trump soll Warnungen ignoriert haben

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag zur Frage, wann und wie das Land wieder zur Normalität zurückkehren könnte, gesagt: "Das ist mit Abstand die größte Entscheidung meines Lebens." Er werde voraussichtlich am Dienstag ein Expertengremium vorstellen, das über die Öffnung des Landes beraten soll.

Recherchen der "New York Times" zufolge  sollen verschiedene US-Behörden schon früh Krisenszenarien entworfen haben, die Trump demnach jedoch ignorierte. So habe das für Pandemien zuständige Büro des Nationalen Sicherheitsrats bereits im Januar Geheimdienstberichte über eine mögliche Covid-19-Ausbreitung in den USA erhalten. Binnen Wochen seien Pläne entworfen worden, darunter Ausgangsbeschränkungen und Shutdowns größerer Städte. Trump habe solche Maßnahmen jedoch erst im März eingeführt.

Die Risiken einer raschen Ausbreitung - bis zu eine halbe Million Tote und Billionenverluste in der Wirtschaft - seien ihm Ende Januar mitgeteilt worden, berichtete die Zeitung. Das Aufsetzen eines Systems, das die Verbreitung des Virus erfassen sollte, habe sich jedoch wochenlang verzögert.

Bereits Ende Februar hätten führende Gesundheitsexperten der Regierung empfohlen, die Bevölkerung vor den Corona-Risiken zu warnen und sie zu sozialer Distanz und zum Zuhausebleiben aufzufordern. Es habe bis Mitte März gedauert, bis Trump diese Sicht übernommen habe.

kko/dpa