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Nachfolger von Raisi »Reformer« Peseschkian gewinnt Präsidentschaftswahl in Iran

Massud Peseschkian folgt auf den bei einem Hubschrauberabsturz getöteten iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi. Der moderate Politiker setzte sich in der Stichwahl gegen einen Hardliner durch.
Massud Peseschkian an einem Wahllokal in Teheran
Massud Peseschkian an einem Wahllokal in Teheran

Massud Peseschkian an einem Wahllokal in Teheran

Foto:

Vahid Salemi / dpa

Bei der Stichwahl um die iranische Präsidentschaft hat der moderate Kandidat gewonnen. Wie ein Sprecher der Wahlbehörde im Staatsfernsehen verkündete, besiegte Massud Peseschkian den ultrakonservativen Hardliner Saeed Jalili. Peseschkian erreichte demnach 53,7 Prozent, Jalili 44,3 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung soll bei 49,8 Prozent gelegen haben.

Obwohl als sogenannter Reformer bezeichnet, gilt auch Peseschkian als loyal gegenüber dem Obersten Führer  in Iran, Ajatollah Ali Khamenei.

Rund 61 Millionen Menschen waren am Freitag dazu aufgerufen, zwischen Peseschkian und Jalili zu wählen. Die vorgezogene Wahl war nach dem Tod von Amtsinhaber Ebrahim Raisi angesetzt worden. Die Wahllokale waren nach mehrmaliger Verlängerung durch das Innenministerium noch bis in die späten Abendstunden geöffnet.

Als frei gelten die Wahlen jedoch nicht: Der Wächterrat, ein mächtiges islamisches Kontrollgremium, prüft Kandidaten stets auf ihre ideologische Eignung. Eine grundsätzliche Kritik am System wird nicht geduldet. Von 80 Bewerbern hatte der Wächterrat nur sechs als Kandidaten zugelassen. Zwei von ihnen zogen sich schon vor der ersten Abstimmung zurück.

Bei der ersten Wahlrunde am vergangenen Freitag hatte die Wahlbeteiligung nach offiziellen Daten mit rund 40 Prozent ein Rekordtief erreicht. Darin spiegelt sich die große Enttäuschung vor allem der jungen Generation, die den Glauben an große innenpolitische Veränderungen verloren hat.

Viele Menschen in Iran sind enttäuscht von der Politik

Der Reformkandidat Peseschkian ist 69 Jahre alt und stammt aus dem Nordwesten Irans. Im Wahlkampf warb der bisher eher unscheinbare Politiker für neues Vertrauen zwischen Regierung und Volk. Viele Iranerinnen und Iraner sind nach gescheiterten Reformversuchen, politischer Repression und einer Wirtschaftskrise von der Politik enttäuscht.

Der frühere Atom-Chefunterhändler Jalili hatte vor der Wahl 2021 noch zugunsten Raisis zurückgezogen. Der ultrakonservative Raisi war im Mai bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Er galt als möglicher Nachfolger des als gesundheitlich angeschlagen geltenden Khamenei. Auf den Religionsführer konzentriert sich die eigentliche Macht in Iran. Anders als in vielen anderen Ländern ist der Präsident in Iran nicht das Staatsoberhaupt.

hba/dpa