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Ecloga (mima)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ecloga war eine antike Mimendarstellerin.

Sie ist nur durch ihre Grabinschrift bekannt, die auf dem Esquilin in Rom gefunden wurde und heute verschollen ist:

“Eclogae / regis Iubae / mimae quae / v(ixit) a(nnos) XVIII [m(enses)”

„Für Ecloga, Mimin des Königs Juba, die 18 Jahre und [...] Monate lebte“

Ecloga war also eine mima (Schauspielerin, Sängerin, Rezitatorin) des Königs Juba II. von Mauretanien. Juba, der in Rom geboren war, das römische Bürgerrecht besaß und seit 25 v. Chr. als römischer Klientelkönig in Mauretanien fungierte, war den Künsten zugeneigt und unterhielt anscheinend eine Schauspieltruppe in Rom, der Ecloga angehörte. Er regierte bis zu seinem Tod 23 n. Chr., sodass die Grabinschrift für Ecloga wohl irgendwann in den Zeitraum zwischen 25 v. Chr. und 23 n. Chr. fällt.[2]

Ecloga wurde nur 18 Jahre und einige Monate alt, wobei die Zahl der Monate nicht lesbar ist. Ein junges Todesalter ist auch für andere Miminnen dieser Zeit durch deren Grabinschriften bezeugt, wie für Eucharis, Hellas (beide 14 bei ihrem Tod) und Luria Privata (19). Es zeigt an, dass die Mimendarstellerinnen schon früh ihre Karriere begannen, wobei der Beruf häufig auch mit sexuellen Dienstleistungen verknüpft war.[3]

Bei Ecloga handelt es sich wahrscheinlich um den Künstlernamen einer Sklavin, was daran erkennbar ist, dass die Inschrift (anders als bei anderen Miminnen dieser Zeit wie den Freigelassenen Volumnia Cytheris und Fabia Arete) nur einen Einzelnamen ohne Gentilname enthält.[4] Ecloga (Lehnwort von altgriechisch ἐκλογή, Ekloge) bedeutet „Auswahl“ (siehe Ekloge) oder auch „die Auserwählte“, sodass der Name auf ihre Funktion hindeuten könnte, ausgewählte Partien aus längeren Stücken zu spielen.[5]

  • Mario Bonaria: Ecloga 2. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband X, Stuttgart 1965, Sp. 183.
  • Muditha Dharmasiri: Remember me thus: a study of Latin epitaphs of mime actresses. In: Melita Classica. Band 7, 2021, S. 151–170 (Digitalisat).
  • Evelyn Fertl: Von Musen, Miminnen und leichten Mädchen: Die Schauspielerin in der römischen Antike. Braumüller, Wien 2005, ISBN 3-7003-1516-3.
  • Victor González Galera: Corpus Inscriptionum Mimi Antiqui. Espectáculo, autores e intérpretes de mimo en la epigrafía grecorromana (= Armariolum. Band 6). Scienze e lettere, Rom 2025, ISBN 978-88-6687-296-2, S. 181–183, Nr. 4.
  • Regina Höschele: From Ecloga the mime to Vergil’s Eclogues as mimes: Ein Gedankenspiel. In: Vergilius. Band 59, 2013, S. 37–60 (Digitalisat).
  • Hartmut Leppin: Histrionen. Untersuchungen zur sozialen Stellung von Bühnenkünstlern im Westen des Römischen Reiches zur Zeit der Republik und des Principats (= Antiquitas. Reihe 1, Band 41). Habelt, Bonn 1992, ISBN 3-7749-2517-8, S. 119 f., 233.
  • John H. Starks, Jr.: Pantomime Actresses in Latin Inscriptions. In: Edith Hall, Rosie Wyles (Hrsg.): New Directions in Ancient Pantomime. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-923253-6, S. 110–145 (Digitalisat).
  1. CIL VI, 10110 = Hermann Dessau, Inscriptiones Latinae selectae Nr. 5216.
  2. Datierung u. a. bei Mario Bonaria: Ecloga 2. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband X, Stuttgart 1965, Sp. 183.
  3. Muditha Dharmasiri: Remember me thus: a study of Latin epitaphs of mime actresses. In: Melita Classica. Band 7, 2021, S. 151–170, hier S. 166.
  4. Muditha Dharmasiri: Remember me thus: a study of Latin epitaphs of mime actresses. In: Melita Classica. Band 7, 2021, S. 151–170, hier S. 165.
  5. Regina Höschele: From Ecloga the mime to Vergil’s Eclogues as mimes: Ein Gedankenspiel. In: Vergilius. Band 59, 2013, S. 37–60 (Digitalisat), hier S. 38; Muditha Dharmasiri: Remember me thus: a study of Latin epitaphs of mime actresses. In: Melita Classica. Band 7, 2021, S. 151–170, hier S. 165.