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Lukrez  
(99-55 v. Chr.)


Lukrez - Lucretius Carus, Titus, geb. 99 v. Chr., r�mischer Ritter, gest. 55 v. Chr. (angeblich durch Selbstmord).

Lukrez hat die Lehren Epikurs systematisch verarbeitet und im Dienste der Aufkl�rung gegen�ber Aberglauben, Furcht vor den G�ttern und dem Jenseits verwendet. Eine streng naturalistisch-mechanistische Weltanschauung wird in seinem Lehrgedichte geboten. Die Religion hat sch�dliche Folgen, die Furcht vor den G�ttern schreckt und beunruhigt den Menschen. Entstanden ist der Glaube an die G�tter aus den Visionen des Traumes und aus Unkenntnis der Ursachen der Naturordnung. Die Philosophie zeigt, da� die G�tter den Lauf der Welt nicht beeinflussen und da� der Mensch weder vor ihnen noch vor H�llenstrafen Furcht zu hegen braucht, da die Seele mit dem Leibe vergeht. Der Grundsatz der Kausalit�t ist das oberste Prinzip alles Geschehen: Nichts wird aus nichts und zu nichts; denn sonst k�nnte aus allem alles entstehen (�Nullam rem e nilo gigni.� �Haud igitur redit ad nilum res ulla, sed omnes discidio redeunt in corpora materiai.�). In der Welt entsteht nichts absolut Neues und nichts schwindet dahin (Erhaltung der Materie: �Nam neque adaugescit quicquam neque deperit inde�). Alle Ver�nderung ist Verbindung und Trennung der Atome, Bewegung derselben im leeren Raume, der unendlich ist und unz�hlige Welten birgt. Die Atome sind unendlich an Zahl und haben verschiedene Form; sie verbinden sich nach verschiedenen Verh�ltnissen miteinander. Die Bewegung der Atome, die senkrecht im Raume fallen, weicht ein wenig von der geraden Richtung ab (�decellere paulum�); dadurch entsteht der Sto� der Atome aneinander, die Bildung der K�rper und Welten, dadurch ist auch die Willensfreiheit des Menschen erm�glicht. Empfindung haben nur bestimmte Komplexe bestimmter Formen von Atomen. Aus den feinsten, beweglichsten, runden, glatten Atomen besteht die Seele, welche durch den K�rper verbreitet ist; der feinste Teil der Seele ist der �Geist� (Verstand) mit dem Sitze in der Brust. Im Tode l�st sich die Seele in ihre Atome auf; da das Ich dann nicht mehr da ist, kann der Tod f�r dasselbe gleichg�ltig sein. Die Sinnesempfindung beruht auf leichten und d�nnen Bildern, die sich von den Dingen abl�sen und die Sinnesorgane reizen. Von den Organismen haben sich jene erhalten, welche n�tzliche Eigenschaften wie List, St�rke oder Schnelligkeit besa�en, w�hrend die Mi�geburten zugrunde gingen (vgl. Darwin)., Allm�hlich erst sind die Menschen zur Kultur und sozialen Ordnung aufgestiegen. Die wahre Fr�mmigkeit besteht nicht im Kultus, sondern darin, �beruhigt im Geist hinschauen zu k�nnen auf alles�.

 

Schriften: Lukrez ist Verfasser eines philosophischen Lehrgedichtes �De rerum natura�; hrsg. 1850, 1886 (Bernays) u. �.; deutsch (von Knebel) in der Univers. Bibliothek. - Vgl. C. MARTHA, Le po�me de Lucr�ce, 4. �d. 1885. - MASSON, L., 1910.

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(Aus: Rudolf Eisler (1876-1927): Philosophen-Lexikon. Leben, Werke und Lehren der Denker, 1912)


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.09.2005