Bei Microsoft ist von einem „neuen Kapitel“ die Rede. Man werde Skype in Pension schicken und sich künftig auf Microsoft Teams konzentrieren, teilte der beim US-Konzern für „kollaborative Anwendungen und Plattformen“ zuständige Jeff Teper Ende Februar in einem Blogeintrag mit.
Von Skype habe man viel gelernt, nun sei man aber zu dem Schluss gekommen, dass „wir schneller mehr Innovationen liefern können, indem wir uns auf Teams konzentrieren“, führte der Microsoft-Manager gegenüber dem US-Sender CNBC aus.
Während CoV-Pandemie „völlig versagt“
Microsoft erwarb Skype 2011 für „unglaubliche 8,5 Milliarden Dollar“ (7,5 Mrd. Euro). Das war nicht nur die bis dahin größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte, Microsoft habe auch einen um 40 Prozent über der internen Bewertung gelegenen Kaufpreis bezahlt, so das IT-Portal Wired.
Der US-Konzern rückte Skype in den Fokus und stanzte dabei unter anderem einige seiner hauseigenen Kommunikationsprodukte wie den Windows Live Messenger. „Der große Erfolg jedoch blieb aus“, so die Tech-Plattform Golem samt Verweis auf das gescheiterte Windows Phone und der hier für Skype angedachten Rolle als Zugpferd.
„Völlig versagt“ habe Skype dann während der Coronavirus-Pandemie, wie es ein User der Social-Media-Plattform Reddit – wenn auch überspitzt – durchaus treffend formulierte. Während bei Diensten wie Slack, Zoom und WhatsApp in dieser Zeit die Nutzungsdaten geradezu explodierten, hatte Skype mit weit geringerem Wachstum das Nachsehen und landete dann auch bei Microsoft auf dem Abstellgleis. Abgezeichnet hatte sich das schon zuvor, etwa 2017 mit der Einführung der konzerninternen Konkurrenz Teams.
Angebot an verbliebene Skype-Kundschaft
Zuletzt wollte Microsoft die noch verbliebenen Skype-Nutzerinnen und -Nutzer zu Teams lotsen. „Skype wird noch bis zum 5. Mai 2025 verfügbar sein, sodass die Nutzer und Nutzerinnen Zeit haben, Teams zu erkunden und sich für die für sie am besten geeignete Option zu entscheiden“, wie Microsoft Ende Februar mitteilte. „Wenn Sie Microsoft Teams Free nicht verwenden möchten, können Sie Ihre Skype-Daten exportieren“, hieß es in Richtung der Wechselunwilligen.
Offen bleibt, inwieweit Skype rund 14 Jahre nach der Übernahme für Microsoft noch ein Abschreibungsposten ist. Laut Wired sei es schwer zu glauben, dass sich eine so hohe Investition wirklich ausgezahlt habe. Vielmehr hätten „ein paar schnelle Berechnungen“ ergeben, dass sich die Kosten für das Unternehmen seit der Übernahme auf etwa 1,6 Millionen Dollar pro Tag belaufen.
„Dü-di-dü, di-dü-di“
„Neues kommt und Altes geht. Das war schon immer so“, schreibt das IT-Portal T3N. Ganz nach dem Titel des T3N-Nachrufs „Wir nannten es Skypen“ ist auch dieser einst vom Duden übernommene Begriff mittlerweile wieder weitgehend aus dem Alltag verschwunden. Skype selbst habe schon 2014 „als tradiert, ja fast altbacken“ gegolten, bilanziert T3N über den „früheren Messaging-Star“.
Obwohl Skype für den britischen "Guardian „seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr relevant“ ist, stehe dennoch außer Zweifel, dass viele Menschen der „himmelblauen Plattform“ dennoch nachtrauern werden.
In Erinnerung bleiben werde Skype als „kostenloser Draht in die Ferne“, aber auch als „Anfang aller Gruppenchats“, so das Schweizer Portal Blue News. Dieses erweist schließlich auch dem legendären „Dü-di-dü, di-dü-di“-Klingelton seine Reverenz: „Wer diese Tonfolge hört, wird sofort in eine Zeit zurückkatapultiert, in der Videocalls noch etwas Magisches hatten.“
Von Skyper zu Skype
Allein mit Blick auf die in den frühen 2000er Jahren noch teuren und umständlichen Auslandsgespräche erscheint das von Zennström und Friis gemeinsam mit einer Handvoll estnischer IT-Experten entwickelte Kommunikationstool als revolutionär.
Nach dem Marktstart im Juli 2003 überzeugte Skype mit kostenlosen skypeinternen Anrufen, günstigen Auslandsgesprächen ins Fest- und Mobilfunknetz, Sofortnachrichten und seiner leicht zugänglichen und benutzerfreundlichen Datenschnittstelle auf Anhieb ein Millionenpublikum.
Der Firmenname geht aus dem Projektnamen Sky Peer-to-Peer – das wurde zu Skyper verkürzt – hervor. Als Domainname war der Name damals aber schon belegt, deshalb wurde aus Skyper Skype.
Steve Ballmers Vision
Im September 2005 wechselte das Unternehmen um 3,1 Mrd. US-Dollar zum US-IT-Konzern Ebay. Im September 2009 übernahm die Investmentgesellschaft Silver Lake 65 Prozent und damit die Mehrheit der Anteile.
In Folge bekundeten sowohl Facebook, Google und Microsoft Interesse an einer Übernahme – Microsoft machte das Rennen. Der damalige Microsoft-CEO Steve Ballmer sprach von einer „gemeinsamen Vision“. Das im Mai 2011 per Aussendung erklärte Ziel: zusammen mit Skype „die Zukunft der Echtzeitkommunikation gestalten“.
